Test — Stanislaw Lem


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Stanisaw Lem
Phantastische
Erzhlungen
ber dieses Buch
Die vorliegende Sammlung utopischer Geschichten zeigt
die reiche Skala Lemscher Phantasie. Geht es hier um die
gespenstischen Abenteuer, die Weltraumnavigator Pirx
Stanisaw Lem
Test
Phantastische Erzhlungen
Fischer Bcherei
In der Fischer Bcherei
Januar 1971
Ungekrzte Ausgabe
Umschlagentwurf: Hans Maier
Titel der Originalausgabe: Test
Aus dem Polnischen von Caesar Rymarowicz
Fischer Bcherei GmbH, Frankfurt am Main und Hamburg
Lizenzausgabe mit freundlicher Genehmigung
des Verlages Volk und Welt, Berlin
Deutsche Ausgabe: Verlag Volk und Welt, Berlin, 1968
Gesamtherstellung: Hanseatische Druckanstalt GmbH, Hamburg
Printed in Germany
ISBN 3 436 01320 x
Inhalt
Test . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Originaltitel: Test
aus: Inwazja z Aldebarana, Wydawnictwo literackie, Krakw, 1959
Der bedingte Re
ex . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
Originaltitel: Odruch Warunkowy
aus: Noc ksi
ycowa, Wydawnictwo literackie, Krakw, 1963
Albatros . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161
Originaltitel: Albatros
aus: Inwazja z Aldebarana, Wydawnictwo literackie, Krakw, 1959
Terminus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181
Originaltitel: Terminus
aus: Ksiega robotw, Iskry, Warszawa, 1961
Die Waschmaschinentragdie . . . . . . . . . . . . . 247
Originaltitel: Tragedia Pralnicza
aus: Noc ksi
ycowa, Wydawnictwo literackie, Krakw, 1963
Invasion vom Aldebaran . . . . . . . . . . . . . . . . 276
Originaltitel: Inwazja z Aldebarana
aus: Inwazja z Aldebarana, Wydawnictwo literackie, Krakw, 1959
Von der Rechenmaschine, die mit dem
Drachen kmp
e . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 292
Originaltitel: Bajka o Maszynie cyfrowej, co ze smokiem Walczya aus:
ycie literackie, August 1963
Nachbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 303
T
Pirx 
dsie-Unterricht. Er hatte ihm alle Atlanten mit Tusche be-
schmiert.
Du hast morgen deinen Versuchs
ug, sagte Boerst.
In Ordnung, erwiderte Pirx phlegmatisch. So leicht
lie er sich nicht foppen.
Du glaubst es nicht? Lies! Boerst klop
e mit dem Fin-
ger an die Scheibe des Aushanges.
Pirx wollte weitergehen, aber sein Kopf schien sich von
selbst zu drehen. Nur drei Namen waren auf der Liste, und
Steinsulen gesttzt, ragte ber dem Wasser auf. Irgend je-
mand hatte das Gercht aufgebracht, da die Sulen vom
Mond stammten. Das war natrlich ein Hirngespinst, aber
schon die ersten Schler hatten voller Ehrfurcht ihre Initi-
alen und Daten in den Stein geritzt. Auch Pirx Name stand
dort irgendwo, er hatte ihn vor vier Jahren mit groem Ei-
fer eingraviert.
In seinem Zimmer es war so klein, da er es mit nie-
mandem zu teilen brauchte zgerte er ein wenig. Sollte er
den Schrank 
nen oder nicht? Er wute genau, wo die alte
Hose lag. Man dur
e eigentlich kein Zivilzeug haben, viel-
leicht hatte er sie gerade deshalb aufgehoben. Im Grunde
hatte sie fr ihn keinen Wert. Er kni
die Augen zu, kauer-
te vor dem Schrank nieder, steckte die Hand durch die o
e-
ne Tr und befhlte die Tasche. Na bitte er hatte es doch
gewut. Sie war leer.
Pirx stand in der Kombination, die noch nicht aufgebla-
sen war, auf dem sthlernen Brckenpodest dicht unter dem
Hallendach und hielt sich mit der Armbeuge an der Leine
fest, die als Gelnder gespannt war. Er hatte keine Hand frei.
In der einen hielt er das Navigationsbuch, in der anderen
den Schmolch, eine Spickkladde, die ihm Smiga geliehen
hatte. Es hie, der ganze Lehrgang sei mit ihr ge
ogen. Nie-
mand wute zu sagen, wie sie immer wieder zurckkehr-
te, denn nach dem Versuchs
ug verlie man das Institut
und ging nach Norden, zur Basis, wo die Paukerei fr das
Schluexamen begann. Wie dem auch sei sie kam jeden-
falls immer wieder zurck. Wer wei, vielleicht wurde sie
mit dem Fallschirm abgeworfen. Es war ja nur ein Scherz.
und blieb in dieser Haltung stehen, als ob er Pirx hinunter-
stoen wollte.
Als die anderen vorangingen, fragte Pirx verwundert:
Was, du 
iegst auch? Hast du denn auf der Liste gestan-
Brendan ist erkrankt Ich 
iege fr ihn, erwiderte Bo-
erst.
Pirx war ein wenig verlegen. Das war das einzige, aber
wirklich das einzige, wodurch er wenigstens um einen Mil-
tontrichtern, die ineinandergri
en und dazu dienten, das
Feuer der Dse abzuleiten, standen zwei kegelfrmige Ko-
losse nebeneinander in Pirx Augen waren es jedenfalls
Kolosse. Jeder von ihnen war achtundvierzig Meter hoch
und hatte unten, im Booster, einen Durchmesser von elf
Metern.
Zu den Luken, die bereits abgeschraubt waren, fhrten
kleine Gangways. Den Durchgang versperrten bleierne Ge-
wichte, die in der Mitte aufgestellt waren, jedes mit einem
roten Fhnchen an einem biegsamen Scha
. Pirx wute,
was nun kam: die Frage, ob er bereit sei, die ihm gestell-
te Aufgabe zu erfllen. Er wrde die Frage das wre das
erstemal in seinem Leben mit ja beantworten und das
Fhnchen beiseite schieben. Pltzlich bedrngte ihn das
Gefhl, da er beim Entfernen des Fhnchens ber das
Seil stolpern und unweigerlich der Lnge nach hinschla-
gen wrde solche Dinge kamen vor. Wenn das ber-
haupt jemandem passieren sollte ihm bestimmt. Er hat-
te nie Glck, es kam ihm jedenfalls so vor. Die Dozenten
waren da anderer Meinung. Er sei eben ein Trottel, sagten
sie, ein Tlpel. Er denke immer an alles mgliche, nur nicht
an das, woran er gerade zu denken habe. In der Tat, nichts
el ihm so schwer wie das Reden, die Konversation. Zwar
kla
e zwischen seinem Tun und seinem Denken, das sich
Er schielte zu Boerst hinber und sah, da der sich so
hingestellt hatte, wie es das Reglement vorschrieb: einen
Schritt von der Gangway entfernt, die zur Luke fhrte, in
strammer Haltung, die Hnde an den nicht aufgeblhten
Gummireifen seiner Kombination.
Boerst sieht sogar in dieser eigenartigen Klu
gut aus,
Wort verstand. Dann traten sie zu ihm, und als der Chef
nie zu verlassen, zum Mond lotsen. In dessen quatorzo-
ne eine zeitweilige Umlau
ahn entsprechend den Anga-
ben von LUNA PELENG erreichen, sich vergewissern, da
sich die beiden gelotsten Raumschi
e auf der Umlau
ahn
be
nden. Von dieser Umlau
ahn mit Kurs und Beschleu-
nigung nach einem Gutdnken heruntergehen, um auf die
feste Umlau
ahn im Bereich des Satelliten PAL zurckzu-
kehren. Dort weitere Befehle abwarten.
mndliche Wiederholen der Aufgabe war reine Schikane,
denn man bekam sie ja ohnehin schri
lich sogar der er-
der Abdichtungen, wieder eine halbe Drehung beider Kur-
beln, Festdrcken, Dichtekontrolle unter Druck, Absiche-
rung der Luke mit innerem Schutzdeckel, Vorschieben der
man ihn nannte, nach allen Seiten drehen und durch die
Wnde der Blase, in die er eingeschlossen war, alle Ska-
len, alle Zeiger und alle vorderen, hinteren und seitlichen
Bildschirme sehen, dazu die Tafeln beider Rechenmaschi-
nen und des Astrographen sow
ie das Allerheiligste das
se mit dem Sitz und dem Piloten und dem Ringband-Fall-
schirm hinausgeschleudert.
Pirx 
Etwas summte und zischte Pirx fand nicht einmal Zeit,
zu erschrecken. Die automatische Sicherung hatte die bis-
was ausschlaggebend war, da es ber Leben und Tod ent-
schied, aber es wollte ihm nicht einfallen.
sechs fnf vier
Mit feuchten Fingern umklammerte er den Startgri
.
Gut, da er so rauh ist, dachte er. Ob alle so schwitzen?
Wahrscheinlich
Null!
schnarrte es im Hrer.
Seine Hand zog den Hebel von selbst, ganz von selbst, sie
zog ihn bis zur Mitte und hielt ihn fest. Brllendes Get-
se Ihm war, als lege sich ihm eine elastische Presse um
Kopf und Brust. Der Booster! vermochte er gerade noch
zu denken, dann wurde es dunkel um ihn. All das dauer-
berall bewegten sich Zeiger ber ihm, vor ihm, neben
zu wenden. Donnerwetter, es klappt sogar! dachte er stau-
Als er die Ellipsenbahn erreicht hatte, prsentierte ihm
der Kalkulator freundlich die Daten zur Korrektur. Pirx
manvrierte, sprang aus der Umlau
ahn, bremste gar zu
ig, hatte zehn Sekunden lang minus 3 g, aber das mach-
te ihm nichts aus. Physisch war er sehr widerstandsfhig.
Wre dein Hirn so wie dein Bizeps, hatte Eselswiese ein-
Zulssigen. Na also, das wars, sagte er sich und sah sich
nun erst richtig um.
Der Schweredruck schwand. Er sprte es nur daran, da
er sich sehr leicht vorkam, denn er war ja an den Sitz ge-
schnallt, wie es sich gehrte. Auf dem vorderen Bildschirm
sah er Sterne, nichts als Sterne, und am unteren Rand ei-
nen blendendweien Saum. Auf dem seitlichen Schirm war
alles schwarz. Sterne, Sterne. Und auf dem unteren? Aha!
Knacken war zu vernehmen. PAL? Welches Signal hatte der
eigentlich? Morse aha! Er hrte genauer hin und sah auf
die Schirme. Langsam drehte sich die Erde unter ihm, die
Sterne glitten rasch ber die Schirme, aber von PAL war
Als sich die Fliege dem Kalkulator nherte, begann es in
den Kop
rern so laut zu brummen wie ein viermotori-
ges Flugzeug, denn am oberen Rand des Kalkulators war
ein Reservemikrofon angebracht. Es lie sich auerhalb des
Sitzes ohne Laryngophon erreichen, wenn die Kabel der
Bordphonie getrennt waren. Wozu? Fr alle Flle. Es gab
mehrere solcher Einrichtungen.
Pirx ver
uchte das Mikrofon, wute er doch, da er Ge-
fahr lief, die Signale des PAL zu berhren. Und nun be-
gann die Fliege auch noch, nach allen Seiten Ausflle zu
machen. Unwillkrlich verfolgte er sie mit dem Blick, dann
aber sagte er sich in aller Strenge, da sie ihm gestohlen
bleiben knne.
Schade, da man hier nicht irgend so ein Zeug spritzen
kann
Ruhe!
Es klirrte so laut, da er unwillkrlich eine Grimas-
se schnitt. Die Fliege kroch auf den Kalkulator. Es wur-
A sieben Terraluna, A sieben Terraluna, Sektor III Kurs
einhundertdreizehn, PAL PELENG ru
Bitte um Messung
Schalte auf Empfang.
Ver
Die haben sich hier absichtlich versammelt, damit ich
nichts hre, sagte sich Pirx. Die Antischweiwsche klebte
ihm am Krper. Die Fliege kreiste wtend ber der Schei-
be des Kalkulators, sie schien zu versuchen, den eigenen
Schatten einzuholen.
ALBATROS vier Aresterra, ALBATROS vier Aresterra an
PAL Hauptstation Laufe Quadranten sieben an, laufe Qua-
dranten sieben an Bitte um Einlotsen durch Interkom
Ende.
Pirx hrte das Pfeifen des Interkoms, es wurde lei-
ser und ging im Brummen unter, das wieder anschwoll.
Er verstand nur die Worte:
JO zwei Terraluna, JO zwei
Terraluna ru
AMU 27, AMU 27

Empfang.
Interessant,
meint der mich? Pirx zerrte vor Aufregung an den Gur-
ten.
AMU , wollte er sagen, aber seiner heiseren Keh-
le entrang sich kein Laut. In den Hrern brummte es. Die
Fliege. Er schlo die Augen und begann zu sprechen:
27 an JO zwei Terraluna Bin im Quadranten vier, Sektor
PAL Schalte Positionslichter ein Empfang.
AMU 27 an JO zwei, JO zwei bis Terraluna Zwanzig Uhr
sieben Das Manver mit dem Einbiegen auf den Parabol-
kurs Terraluna beginnen wir um zwanzig Uhr zehn Kurs
einhundertelf
Pirx las die Kurse vom Blatt ab. Die Schif-
fe antworteten. PAL war nun auer Sicht, man konnte ihn
aber immer noch hren. Oder war es die Fliege? Auf ein-
mal spaltete sich das Summen. Pirx rieb sich die Augen
tatschlich! Es war nicht mehr eine Fliege, es waren zwei!
Wo in aller Welt war die zweite hergekommen? Die ma-
chen mich fertig, dachte er seelenruhig.
Seltsam Die Erkenntnis, da es sich nicht lohnte, zu
den Beschleunigung die Nase plattdrckte. Rasend vor Wut
gerade Nase und die grauen, schillernden Augen Eine
Spicke hatte der bestimmt nicht ntig Na ja, vorlu
g
brauche ich sie auch nicht Das Summen in den Hrern
wurde leiser. Beide Fliegen krochen an der Decke der Kap-
sel entlang, ihre Schatten strei
en sein Gesicht, er zuckte
zusammen, als er das merkte, und sah auf. An den Enden
ihrer schwarzen Beine hatten sie teigartige Erweiterungen,
neununddreiig Umkehrmanver gleichzeitig hinter dem
fhrenden Schi
bei optischer Entfernung, nrdliche Abwei-
chung Sektor Luna eins null Komma sechs Schalte Trieb-
werke mit geringer Schubkra
ein Empfang.
schwer genug. Nicht einmal eine Scheibe wrde er ein-
schlagen. Ach was
Er suchte die Fliegen sie jagten einander, kreisten sum-
mend in der Kapsel umher, bis sie sich schlielich unter
den Sicherungen niederlieen, so da er sie aus den Au-
gen verlor.
Im Radaroskop erblickte er seine beiden JO-Schi
e sie
hielten Kurs. Der vordere Schirm zeigte die Mondschei-
be, sie war so gro, da sie den halben Schirm ausfllte.
Damals, bei den selenographischen bungen im Tycho-
Krater, hatte Boerst mit Hilfe eines gewhnlichen tragba-
ren
eodoliten Ach, ver
ixt, was der nicht alles konn-
te! Hatte er nicht auch versucht, die Luna-Hauptstation am
ueren Abhang des Archimedes wiederzu
nden? Sie war
fast gnzlich im Felsen vergraben und kaum zu erkennen
gewesen, nur die glatte Landebahn mit den Signallichtern
war zu sehen, aber nur, wenn sie in der Zone der Nacht lag,
damals war, hatte sich mit dem grten Eifer an diese Auf-
gabe gemacht! Ihm war vllig entfallen, da vom Mond aus
tagsber berhaupt keine Sterne zu sehen sind der Blick
ist durch das Sonnenlicht, das sich am Boden widerspie-
Kupferader so, als ob es in dem ganzen Steuerraum kei-
nen anderen Platz gegeben htte. Pirx berlegte 
eberha
.
Wenn sie nun die Vorderbeine auf die erste und die Hinter-
beine auf die zweite Leitung stellt, dann Ja, was eigent-
lich? Im schlimmsten Fall wrde es einen Kurzschlu ge-
ben, aber die Fliege war wohl doch nicht gro genug, um
einen Kurzschlu zu verursachen. Und wenn, dann wre es
auch nicht so gefhrlich. Die automatische Sicherung wr-
de den Strom abschalten, die Fliege wrde verbrennen, der
Automat wrde den Strom erneut einschalten, und alles
wre wieder in Ordnung. Und was die Fliege betraf, so ht-
te er endlich Ruhe.
Wie hypnotisiert starrte er auf das Hochspannungs-
schrnkchen. Er wnschte sich nicht, da das Vieh es ver-
suchte. Ein Kurzschlu war zwar eine Lappalie, aber daraus
konnte wer wei was entstehen. Wozu das Risiko
Ein Blick auf die Uhr: Es standen nur noch acht Minuten
mit allmhlich schwcher werdendem Schub bevor. Gleich
wrde damit Schlu sein. Pirx starrte auf das Zi
erblatt
da blitzte es auf, und die Lichter verloschen. Das Gan-
ze dauerte kaum eine Drittelsekunde. Die Fliege! sagte er
sich und hielt den Atem an. Wird der Automat den Strom
einsch Er tat es.
Die Lichter 
ammten wieder auf, aber sie brannten selt-
sam schwach und orangenrot, und gleich darauf sprang die
Sicherung ein zweites Mal heraus. Dunkelheit. Der Auto-
die Ursache: Von der Fliege das Biest hatte sich zwischen
zwei Leitungen gezwngt war ein kleiner Rest brigge-
blieben, ein verkohlter Stumpf, der die beiden Kabel weiter
miteinander verband.
Man kann nicht behaupten, da Pirx sehr erschrocken
war. Zugegeben, er war erregt, aber hatte er sich denn seit
dem Start berhaupt schon beruhigt? Die Uhr war kaum
zu sehen. Die Zi
erbltter hatten ihre eigene Beleuchtung
auch das Radargert. Der Strom war noch so stark, da
sich die Lichter und die Reserveleitungen noch nicht ein-
Die Lichter 
ackerten ununterbrochen. Ich mu irgend
sie wieder in dem trben, orangeroten Licht der vermin-
ten, wirkte ringsherum alles gespenstisch, als sei es aus den
Wand zitterte nicht einmal. Keuchend richtete er sich auf,
mit blutendem Mund, bereit, sich erneut auf die Wand zu
strzen.
Er blickte nach unten.
Der Hebel fr begrenzte Steuerung Er war fr starke
Beschleunigung von kurzer Dauer gedacht, in der Gren-
ordnung 10 g, jedoch nur fr den Bruchteil einer Sekunde.
Sturz
ug einen Ausfall machen , nur so war es zu schaf-
fen!
Wie immer, wenn sich das Raumschi
in der Gefah-
renzone eines Himmelskrpers befand, zeigte die Scheibe
des Gerts nicht nur die Flugkurve des Projektils und ihre
mutmaliche, schwach angedeutete Verlngerung, sondern
auch das erhabene Pro
l des Mondes, ber dem sich das
ganze Manver abspielte.
Beide Kurven die des Fluges und die der Mondober
-
che liefen fast zusammen. Ob sie sich schnitten?
Nein. Aber der Bauch dieses Bogens war eine Asympto-
te. Es stand nicht fest, ob das Schi
dicht ber der Schei-
be durchschlpfen oder aufprallen wrde. Das Trajekto-
Die Finger lsten sich von selbst langsam schob sich
der Gri
zurck. Pirx hrte nichts, sah nichts. Allmhlich
wurde es grau um ihn, das Atmen 
el ihm leichter. Er woll-
te die Augen aufreien, aber sie waren sie waren die gan-
ze Zeit ber ge
Er schnallte den Gurt fest, legte die Hnde auf die Hebel
die Rakete mute auf die richtige Umlau
ahn gebracht
werden. Von den beiden JO-Schi
en wrde er keine Spur
mehr 
nden, das war ihm klar, aber er mute ans Ziel ge-
erschien der Chef. Er stand vor ihm in seiner ganzen Uni-
form, sah ihn mit grauen Augen an und lchelte. Pirx
wute nicht, wie ihm geschah.
Die glserne Kapsel hob sich. Pirx begann instinktiv die
Gurte zu lsen und stand auf. Die Schirme hinter dem Rk-
ken des Chefs waren pltzlich wie weggeblasen.
Recht so, Pilot Pirx, sagte der Chef. Bemerkens-
wert.
Pirx wute immer noch nicht, wie ihm geschah. Er stand
ten zu ihren Spitzen. Vorher waren diese Kabel nicht da-
gewesen.
Der Instrukteur, der auf der Gangway stand, sagte irgend
D   R 
Es geschah im vierten Jahr, kurz vor den Ferien. Pirx, der
alle praktischen bungen hinter sich hatte, stand nun vor
weiteren Bewhrungsproben: Es galt, mehrere Flge auf Si-
mulatoren zu bestehen, danach zwei echte Raumstarts und
schlielich einen sogenannten Kreis selbstndig einen
Mond
ug mit Landung und Rckkehr. Er kam sich bereits
das war ihm vergnnt, er blieb glatt und pausbckig wie eh
und je. So schabte er sich denn mit der stumpfen Klinge
das Kinn, schmte sich seines vollen Gesichts und dachte
sich immer gefhrlichere Situationen aus, die er samt und
sonders meisterte.
Matters, der diesen Kummer kannte oder zumindest
so sehr, sehr rechtscha
en sei, aber ihm 
el nichts Pas-
sendes ein. Da er so intensiv nachdachte, blieb er stumm
wie ein Fisch, und je lnger er schwieg, desto peinlicher
erschien ihm die Situation. In seinem Kopf herrschte eine
Leere, die sich nur insoweit vom kosmischen Vakuum un-
terschied, als sie von verzweifeltem Bemhen ausgefllt
Pirx htte nicht sagen knnen, wie es dazu gekommen
war. Er hatte sich halt nichts dabei gedacht das war ihm
leider schon immer leichtgefallen. Aber handelte so ein
rechtscha
ener Mann?
wnschen, sondern um zu erfahren, welche neuen tk-
kischen Fragen sich der bsartige Hammel ausgedacht
habe auch so wurde der grausame Professor genannt.
Dieser Greis, der noch nie im Leben den Fu auf den Mond
tigall. Die 
nsteren Wolken in seinem Gesicht lsten sich
auf, er wirkte jnger als sonst, ihm war, als hre er seine
eigene Stimme. Pirx, der diese Wandlung bemerkte, ging
nun, be
gelt von seiner eigenen Unverschmtheit, aufs
Ganze. Er hatte Erfolg. Merynos belohnte ihn mit einer
groen runden Zwei und bedauerte sogar, ihm keine Eins
merkwrdigsten Dinge erlebte. Es hatte nicht viel Sinn, in
den Lehrbchern ber experimentelle Psychologie zu blt-
tern, denn die Erlebnisse der Ertrunkenen waren indivi-
duell sehr verschieden. Ein Drittel der Kandidaten brach-
te es brigens noch nicht einmal auf drei Stunden, und nur
wenige erreichten fnf oder sechs. Ausdauer war jedem zu
empfehlen, denn den Besten winkten die interessantesten
Ferienpraktika. Wer den ersten Platz hatte, erhielt ein Ex-
trapraktikum, das mit den blichen, meistens ein wenig
langweiligen Aufenthalten auf Satellitenstationen nicht zu
vergleichen war. Man wute nie, wer sich als Harter er-
weisen wrde, das Bad war eine schwere Belastungprobe
fr die Konsistenz der Persnlichkeit.
Pirx berstand den Anfang ziemlich glatt, wenn man da-
von absah, da er sein Gesicht vllig unntig ins Wasser
tauchte, noch bevor er die Maske trug. Er schluckte einen
Viertelliter Wasser und konnte sich bei dieser Gelegenheit
davon berzeugen, da es einfach nur salzig war.
vater Beitrag zur experimentellen Psychologie. Er ruhte
vllig gelhmt im Wasser, das seinen nackten Krper we-
der wrmte noch khlte. Ihm war, als habe er aufgehrt zu
existieren.
Pirx htte ohne weiteres die Beine oder wenigstens die
Zehen bewegen knnen, um sich zu berzeugen, da sie
na und glitschig waren, aber er tat es nicht: ber ihm,
an der Decke, wachte das unbestechliche Auge der Kame-
ra fr jede Bewegung gab es Strafpunkte. Er lauschte in
sich hinein und vernahm seine eigenen Herztne, sie wa-
ren schwach, sie schienen aus riesiger Entfernung zu kom-
men. Das Jucken hatte nachgelassen, es gab nichts, was ihn
belstigte er fhlte sich soweit ganz wohl. Albert hatte die
Rhrchen so geschickt in der Maske befestigt, da man sie
nicht sprte. Pirx sprte berhaupt nichts, die Leere wurde
allmhlich bengstigend. Zunchst verlor er das Gefhl fr
die Lage seines Krpers, er wute nicht, wie er die Hnde
und die Fe hielt, er erinnerte sich lediglich daran. Dann
begann er zu berlegen, wie lange er bereits unter der wei-
en Para
nmaske lag. Er hatte nicht die geringste Vor-
stellung, wieviel Minuten Viertelstunden? vergangen
waren. Und das passierte ihm, der ein so gutes Zeitgefhl
besa, der auch ohne Uhr fast auf die Minute genau sagen
konnte, wie spt es war!
Whrend er noch darber staunte, schwand sein eige-
nes Ich immer mehr dahin. Ihm war, als habe er keinen
Leib, kein Gesicht er begann sogar daran zu zweifeln, je-
mals existiert zu haben. Ein angenehmer Zustand war das
sich sein Krper nach und nach im Wasser auf anderer-
seits war er sich gar nicht mehr bewut, da er im Wasser
lag. Auch seine Herztne waren verstummt. Er lauschte ge-
spannt nichts. Dagegen begann die Stille, die ihn vollends
ausfllte, zu drhnen. Ein dumpfes, unangenehmes Brum-
nomene sie waren eine harmlose Einleitung, ein Kinder-
spiel gegenber dem, was nun folgte.
Er zer
el, das heit was da zer
innern. Er hatte keinen Orientierungssinn mehr, so wie er
keinen Krper und keine Augen hatte.
Gleich, gleich , dachte er. Gleich werde ich wieder
Ordnung scha
en. Raum Dimensionen
Bedeutungslose Begri
e Prix bemhte sich um ei-
nen Zeitbegri
. Zeit, Zeit, wiederholte er mechanisch, als
kaue er ein Stck Papier. Ein Konglomerat ohne jeden Sinn
Nicht er wiederholte das, sondern irgendein Niemand,
ein Fremder, der in ihm war, der sich eingeschlichen hat-
te Nein, es war umgekehrt er, Pirx, steckte in einem
anderen, und dieser andere, dieser Jemand blhte sich auf,
wuchs ins Unermeliche, ins Grenzenlose. Er wandelte in
unerfabaren Rumen, riesengro wie ein Ballon Es war
kein Mensch, es war ein Finger, ein gigantischer Finger
Wei der Himmel, wo er herkam
Der Finger verselbstndigte sich, es war bedrckend.
Erst blieb er starr, dann aber begann er sich zu krm-
men, drohend und verrckt zugleich Pirx taumelte
im Innern dieses abscheulichen, nichtsnutzigen Gebil-
des hin und her, wurde von einer Seite auf die andere
geworfen
Der Finger verschwand. Pirx drehte sich. Kreiste. Fiel wie
ein Stein, wollte schreien. Um ihn herum war ein Flim-
Er zer
el in zahllose schwarze Schatten, die wie ver-
kohlte Papierfetzen chaotisch umher
atterten. In diesem
Schwanken und Flattern lag eine unbegrei
iche Span-
nung, ein Krampf wie bei einer tdlichen Krankheit. Die-
ses Nichts, diese unemp
ndliche, erstarrte Wste, die einst
ein leistungsfhiger Krper gewesen war, schien sich durch
Pirx glaubte nicht mehr an ein Experiment. Wie denn
, dachte er. Etwas Para
n, ein Bassin mit Salzwasser
und der Mensch hrt auf zu existieren? Nein, Schlu da-
mit Er kmp
e, ohne zu wissen, wogegen er sich auf-
lehnte. Ihm war, als bemhe er sich, einen riesigen Stein
aufzuheben, der ihn zu Boden drckte. Er war nicht ein-
einer der Ertrunkenen hatte auch nur andeutungswei-
fhlte sich, als sei er auferstanden, als sei er wiedergebo-
eine Ritze unter der Tr, und schon war Barn gescha

die ganze Woche hindurch wurde von nichts anderem als
berall Bcher, Diplome und ein zweiter riesiger Globus
am Fenster. Dieser zweite war ein wahres Wunder; ein
Knopfdruck gengte, und jede gewnschte Satellitenbahn
ammte auf nicht nur die neuen knstlichen Erdtraban-
ten waren bercksichtigt, sondern auch die ersten, histori-
schen aus dem Jahre siebenundfnfzig.
An diesem Tage hatte Pirx jedoch kein Auge fr den Glo-
bus. Der Chef schrieb, er bot Pirx einen Platz an und bat
ihn um ein wenig Geduld. Endlich nahm er die Brille ab
Nun ja, sagte er ernchtert. Ich habe bertrieben. Auf
jeden Fall irrst du dich.
Wie Wie bitte? stammelte Pirx.
Ich behaupte, da du nicht der einzige Mensch auf Er-
den bist, von dem alles abhngt Die Menschheit erho
fr ein Unfall, den der Chef erwhnt hatte? Sinnigerweise
schwieg er sich darber aus.
Die Station ist sehr klein. Sie wurde ungeschickt ange-
legt, unterhalb des nrdlichen Gipfels, anstatt auf dem Bo-
den eines Kraters. Mit der Lokalisierung gab es Schwierig-
keiten, anstelle der selenodsischen Vermessung war das
Prestige ausschlaggebend du wirst spter davon erfahren.
Jedenfalls strzte im vergangenen Jahr ein Teil der Mauer
Pirx lie sich nmlich ber Dinge aus, die jedes Kind kann-
te er nherte sich Ge
lden, in denen sein Wissen so man-
ches zu wnschen briglie.
Derartige bermittlungslinien gibt es sowohl auf die-
No ?
Nowiski! platzte Pirx heraus. Nun war es ihm doch
eingefallen. Aber auch das gengte nicht.
Worauf beruht dieser E
ekt?
Genau das wute Prix nicht. Das heit, er hatte es ver-
gessen. Es war ihm zwar gelungen, die erworbenen Kennt-
nisse bis zur Schwelle des Prfungssaales zu schleppen, so
wie ein Jongleur eine Pyramide unwahrscheinlicher Ge-
genstnde balanciert aber das Examen war vorbei Er
begann ein verzweifeltes Gefasel ber Elektronen, ber er-
zwungene Strahlung und Resonanz, ein Gefasel, das der
Chef mit einem Kopfschtteln unterbrach.
Nanu? sagte der rcksichtslose Mensch. Professor
Merinus hat dir doch eine Zwei gegeben Sollte er sich
geirrt haben?
Der Sessel unter Pirx begann sich in einen Vulkan zu
verwandeln.
Ich mchte dem Kollegen Merinus keine Unannehm-
lichkeiten bereiten. Er braucht nichts davon zu erfahren
bringen. Wenn du einverstanden bist, kannst du morgen
iegen.
Wer wird der andere sein?
Das wei ich nicht. Irgendein Astrophysiker. Schlie-
lich braucht man dort Astrophysiker. Ich frchte zwar, da
er an dir keine Freude haben wird, aber vielleicht lernst
du noch ein bichen Astrographie dazu. Weit du denn,
um was es geht? Die Kommission ist zu der berzeugung
gelangt, da es ein Unfall war aber ein gewisser Schat-
Der Chef tat, als habe er nichts gehrt. Er reichte ihm zu-
erst die Papiere und dann die Hand.
Du startest morgen um acht. Nimm sowenig Sachen
mit wie mglich. Im brigen warst du schon mal dort, du
kennst dich also aus. Hier ist der Flugschein und hier ein
reservierter Platz fr die Transgalaktik. Du 
iegst bis Luna-
Hauptstation. Von dort wird man dich weiterschleusen.
schlimm, aber da man ihn auch im Raumschi
nicht be-
sichtbar wurde? War es der bergang in den Bereich einer
Je mehr sie sich der im schwarzen Vakuum hngenden
Kugel nherten, desto deutlicher erkannte man, da es ein
in starren. Lavamassiven festgehaltenes Weltbild sei aus ei-
ner Zeit von vielen Milliarden Jahren, da die heie Erde
mit ihren Satelliten durch Meteoritenwolken wanderte,
de Sto
e? Pirx besa eine geringe Menge gi
igen Materials,
nmlich ein 
aches Flschchen mit Kognak, das Matters
ihm zugesteckt hatte. Er verbarg es in der Gestasche.
Dann gab es Sanittskontrolle Impfschein, Sterilisierung
des Gepcks, damit keine Keime auf den Mond verschleppt
wrden , die im Nu erledigt war.
Hinter der kleinen Schranke blieb er stehen, denn er
welchen Weg die Rakete nehmen werde. ber die Smyth-
See oder direkt zu Ziolkowski? Und wo sein unbekannter
Mondgefhrte steckte, wute er auch nicht. Und die Kom-
mission? Der Arbeitsplan?
tiven es fehlte nicht viel, und sie htten Teleskope mit-
gebracht. Schon bei der Suppe reichten sie die Splitter der
Mondfelsen herum, die ihnen von den Besatzungen der Se-
lenobusse als Souvenirs verkau
worden waren. Pirx beug-
te sich ber seinen Teller, umtost von dem Lrm, den die
Deutschen, die Franzosen, die Griechen, die Hollnder und
Gott wei wer noch alles verursachten. In der allgemeinen
Begeisterung war er der einzige, der das zweite Mittagessen
an diesem Tag migelaunt einnahm. Ein Hollnder wollte
sich seiner annehmen, er uerte die Vermutung, Pirx lei-
de nach dem Raketen
ug unter einer Raumkrankheit. Sie
sind zum erstenmal auf dem Mond, wie? fragte er und bot
ihm Pillen an. Das war der Tropfen, der das Ma berlau-
fen lie. Pirx a auf, kau
e sich am Bfett vier Pckchen
Kekse und fuhr ins Hotel. Sein ganzer Zorn konzentrierte
sich auf den Portier, der ihm ein Stck Mond anbot, ei-
nen glasigen Basaltbrocken. La mich in Ruh, du Krmer-
seele! Ich bin vor dir hier gewesen! schrie er und lie den
Portier stehen. Er zitterte vor Wut.
In einem Zweibettzimmer sa unter der Deckenleuchte
ein kleiner Mann in einer verblichenen Windjacke rot-
haarig, leicht ergraut, mit einer auf die Stirn fallenden Haar-
strhne und gebruntem Gesicht. Bei Pirx Eintritt nahm er
die Brille ab. Er hie Langner, Dr. Langner, war Astrophy-
siker und sollte mit ihm zum Mendelejew 
iegen. Das also
war der unbekannte Mondgefhrte! Pirx, der bereits auf das
Schlimmste gefat war, nannte seinen Namen, brummelte
scheinlich trank er nicht, und vom Reden schien er auch
nicht viel zu halten. Er las drei Bcher auf einmal. Das eine
war eine Logarithmentafel, das zweite enthielt Formeln, in
dem dritten waren lauter Fotos von Spektralskalen abgebil-
sitzen und trat hinaus. Der Korridor ging hinter der Bie-
gung in eine kleine Diele ber, in der mehrere Sessel stan-
den. Ihnen gegenber war ein Fernsehgert in die Wand
eingelassen. Ein Programm fr Luna-Hauptstation aus Au-
Langner legte neue Fotogramme auf den Tisch und be-
Sie waren auf die Parabel gekommen. Die Kabine neig-
te sich schrg, sie schleppte die langen Beine hinter sich
her. Unter ihr glitt die riesige gewlbte Mondscheibe da-
hin, der Erdtrabant sah aus, als habe ihn noch keines Men-
nung. Die scheinbar glatte, dunkle Ober
che des Meeres
enbarte nun ihre Risse und Spalten. Sie verloren stndig
an Hhe, und nun zeigte der Mond aus der Nhe, was er
in Wirklichkeit war Hochplateaus, Ebenen, Krater und
Ringberge waren gleichermaen durch Trichter des kosmi-
schen Bombardements aufgewhlt. Ringe von Felsresten,
von Lava gri
en ineinander ber, sie durchdrangen einan-
der, als ob jene, die diesen titanischen kosmischen Beschu
vollfhrt hatten, noch immer nicht mit der erreichten Zer-
strung zufrieden wren. Ehe Pirx das Ziolkowski-Massiv
erkennen konnte, stellte sich die Rakete, deren Geschwin-
digkeit durch das Einschalten der Triebwerke beschleunigt
ohne Diplom. Ein Schlag, ein Klappern, ein Krachen ein
gewaltiger Hammer schien auf die Steine einzuschlagen.
Die Kabine fuhr san
nach unten, wieder nach oben, sie
ging auf und ab, und so schwankte sie noch eine gute Wei-
le auf den wtend chzenden Amortisatoren, auch dann
noch, als sich die drei zwanzig Meter langen, gespreizten
Fe der Rakete bereits fest in das Gerll gebohrt hatten.
Schlielich gelang es dem Piloten, das Schwanken zu be-
Astronautenseele strubte sich dagegen. Sich in Lumpen
einzuwickeln!
Er nahm den kleinen Skaphander; der Pilot und Lang-
ner quittierten es schweigend. Sie 
rechten Felswnden in das Hauptmassiv der Ziolkowski-
Station ber. Hinter dem Ziolkowski-Bergrcken strahlte
nenlicht. Wie sich nmlich herausgestellt hatte, verlaufen
die elektronischen Erscheinungen auf dem Mond anders
als auf der Erde. Auf der Erde gibt es atmosphrische Entla-
dungen Blitze, Donnerschlge, Elmsfeuer. Auf dem Mond
in eine besondere kleine Kuppel, ber der sich groe Ra-
darschirme drehten; durch die Illuminatoren konnte man
gehaltene Lu
drohte die Kuppel zu sprengen. Da die Kon-
rck. Spter stellte sich heraus, da sie ins Observatorium
eilten auf der Sonne war eine sehr schne Protuberanz
entstanden. Als dieses Wort 
el, hatte fr Langner alles an-
dere zu existieren aufgehrt. Eine Besessenheit, wie sie nur
Wissenscha
lern eigen ist, hatte die ganze Gesellscha
er-
fat. Man brachte Fotos und sah sich einen Film an, den
der Koronograph gedreht hatte. Die Protuberanz war tat-
schlich auerordentlich gro, sie ma siebenhundert-
Fluge erstarrt war. Das Auge verlor sich inmitten all dieser
Formen, die sich in keiner Weise zu einem Ganzen zusam-
menfgen lieen, es fand nur in den runden Hhlen der
Schwrze, die leeren Augenhhlen glichen, einen zweifel-
ha
en Halt, in den bis zum Rand mit Schatten angefllten
Tmpeln der kleinen Krater.
Es war ein einmaliger Anblick. Pirx war schon auf dem
Mond gewesen er hatte das bereits sechsmal betont ,
aber noch nie zu dieser Zeit, neun Stunden vor dem Son-
nenuntergang.
Pirx sa lange bei Pnin. Der Wissenscha
ler sagte Herr
Kollege zu ihm, und er wute nicht, wie er antworten soll-
te, er versuchte, die Anrede zu vermeiden, so gut es ging.
Der Russe besa eine phantastische Sammlung von Fotos,
me, das Bergsteigen sei sehr leicht, um so mehr, als man
aus dreiig Meter Hhe abstrzen kann, ohne da einem
auch Abgrnde keinen Schrecken mehr, und die Berge er-
scheinen einem so klein, als reichten sie nur bis zum Knie.
tierten das, traten dann aber Mendelejew an die Kanadi-
er ab, da diese zum britischen Commonwealth gehrten.
Uns war das natrlich einerlei. Da wir bereits vorher eine
Erkundung des Bodens durchgefhrt hatten, wurde einer
von uns, Professor Animzew, beratendes Mitglied der au-
stralischen Planungsgruppe er kannte sehr gut die loka-
len Bedingungen. Pltzlich erfuhren wir, da sich die Eng-
lnder dennoch an dieser Sache beteiligten. Sie schickten
Shanner, der erklrte, da auf dem Boden des Kraters se-
kundre Strahlungsbndel entstehen knnten und die er-
zielten Ergebnisse stren wrden. Unsere Spezialisten wa-
ren der Meinung, da das unmglich sei, aber schlielich
gaben die Englnder den Ausschlag: Es sollte ja ihre Stati-
on sein. Sie beschlossen, sie unter den Kamm zu verlegen.
Das verteuerte die Sache natrlich erheblich, und die ge-
samten Mehrkosten wurden von den Kanadiern getragen.
Aber das war ja nicht so wichtig. Fremde Taschen gehen
uns nichts an. Die Lage der Station wurde also bestimmt,
und man ging daran, den Weg festzulegen. Animzew be-
richtete uns davon, denn die Briten wollten anfangs zwei
Abgrnde auf der Trasse des geplanten Weges durch Ei-
sche Erfahrung, aber wir wollten ihnen unsere Ratschlge
auch nicht aufzwingen. Animzew legte sein Votum separa-
tum ein, und dabei blieb es. Sie 
ngen an, den Felsen weg-
zuschieen. Der erste Unfug die Lokalisierung der Sta-
tion zog den zweiten nach sich, und die Folgen lieen
leider nicht auf sich warten. Die Englnder bauten drei La-
winenschutzmauern, nahmen die Station in Betrieb, Rau-
sie zementierten und zementierten endlos, denn was sie
denn sie htten das erste Projekt, die Betonviadukte, ab-
gelehnt
Als sie schon gehen sollten, fragte Ganschin, ob sie nicht
irgendwelche Nachrichten htten, die zur Erde bermittelt
Die Gastgeber lachten. Sie zeigten ihm den Drehgri
auf der Brust, der ein Verschieben der silbernen und der
schwarzen Seite gestattete. So konnte man einen schwar-
zen Vorderteil und einen silbernen Rcken haben oder
umgekehrt. Die Art, wie sich diese Farben vermisch-
ten, war interessant. Zwischen der ueren, der durch-
sichtigen Skaphanderschicht, die aus einem harten Plast
gefertigt war, und seinem eigentlichen Korpus war ein
schmaler Zwischenraum, der mit zwei verschiedenen
Farbsto
en oder vielmehr halb
ssigen Massen ausge-
fllt war einer aluminisierten und einer mit Kohle an-
gereicherten. Der Sauersto
druck aus dem Atemgert be-
wegte sie.
Doch nun galt es, sich zum Startplatz zu begeben. Vor-
her, als sie aus der Sonne gekommen waren, hatte Pirx in
der Druckkammer nichts gesehen, so sehr war er geblen-
Der Professor trat so dicht an Pirx heran, da sich die
Helme berhrten, und schrie ein paar Abschiedsworte.
Die Mnner reichten einander die Hnde in den schweren
Handschuhen und krochen hinter dem Piloten in die Ra-
Pirx hatte bisher immer geglaubt, den Mond zu kennen,
aber nun mute er seine Ansicht korrigieren. Die Umge-
bung der Ziolkowski-Station war eine Promenade im Ver-
zur Hl
e schwarz wie die Nacht der Milchstrae Wn-
de, die weder in den Alpen noch im Himalaja ihresglei-
chen hatten.
Die geringe Mondschwerkra
erlaubte es dem Felsbau-
sto
, gespenstisch anmutende Formen anzunehmen, und
diese Formen berdauerten Jahrhunderte. Das menschliche
Auge wurde immer wieder irre, selbst wenn es den Anblick
der Abgrnde gewohnt war. Die anderen Sinne potenzier-
ten noch den Eindruck des Unwirklichen, des Unmgli-
chen dieser Landscha
: Weie Pumexquader, die die Sohle
berhrten, 
ogen wie Seifenblasen in die Hhe, und selbst
der schwerste Basaltsplitter, der auf das Gerll geworfen
wurde, 
og unheimlich langsam und lange, um schlielich
lautlos niederzusinken. Es war wie im Traum.
Einige hundert Schritt hher nderte sich die Farbe des
Felsens. Flsse von rosafarbenem Porphyr umschlossen die
Bergrinne, der sie zustrebten. Felsen, die sich stellenweise
mehrere Stockwerke hoch trmten und nur mit ihren ra-
siermesserscharfen Rndern zusammenhingen, schienen
lediglich auf eine Berhrung zu warten, um als unau
alt-
same Steinlawine niederzusausen.
Pnin fhrte sie durch diesen Wald der in Stein erstarr-
ten Explosionen. Er ging nicht rasch, aber mit untrglicher
Sicherheit. Manchmal schwankte die Platte, auf die er sei-
nen gewaltigen Skaphanderstiefel setzte, und wenn das ge-
gendwelche Gerusche, die den Bergsteiger warnten, gab
es nicht. Einer der Basaltblcke, an denen sie vorbeigin-
gen, rollte ohne die geringste Ursache einen Hang hinun-
ter, das heit, er 
og ganz langsam, schlug ab und zu auf
und ri dabei andere Steine mit sich fort, die sich zu ei-
ner Lawine vereinigten. Man konnte ihren Weg nicht lange
verfolgen, denn eine milchig-weie Staubwolke hllte alles
ein. Das Schauspiel wirkte wie eine Halluzination die zu-
sammenprallenden Blcke gaben kein Gerusch von sich,
und durch die wulstigen Sohlen der Stiefel war kein Zit-
tern, kein Beben zu spren. Als sie an der nchsten Schnei-
se scharf um die Ecke bogen, sah Pirx die Spur der Lawine
und dann die Lawine selbst eine Wolke san
herabglei-
tender Wellen. Voller Unruhe suchte er die Rakete, aber die
Dort ist die Station, hrte er in der Haube Pnins nahe
Stimme. Der Wissenscha
ler war an der Grenze zwischen
Nacht und Tag, zwischen Frost und Hitze stehengeblieben
und deutete nach oben. Pirx blickte auf, aber auer den
Felsen, die auch in der Sonne schwarz wirkten, konnte er
nichts erkennen.
Sehen Sie den Adler? So haben wir diesen Buckel ge-
tau
. Das ist der Kopf, dort sehen Sie den Schnabel und
dort die Flgel!
Pirx unterschied im ersten Moment nur eine Anhufung
von Licht und Schatten, weiter nichts. ber dem stlichen
Kamm ragte eine gekrmmte Zinne auf; sie schien ganz
nahe zu sein, weil ihre Umrisse nicht vom Nebel verwa-
schen waren. Dann aber erblickte er den Adler. Die Wand,
der sie zustrebten, war der Flgel, darber vor dem Hin-
tergrund der Sterne erhob sich der Kopf, und die Zinne
war der Schnabel.
Pirx sah auf die Uhr. Sie waren bereits vierzig Minuten
unterwegs. Vor der nchsten Schattenzone blieb Dr. Pnin
stehen, um seinen Klimatisator zu verstellen. Pirx nutzte
die Gelegenheit und fragte seinen Gefhrten, wohin der
Weg fhre.
Dorthin! Pnin wies mit der Hand nach unten.
Pirx sah nur die Steinwste, in ihrer Mitte erkannte er
einen aufgeschtteten Kegel, aus dem groe Felsbrocken
herausragten.
Dort ist die Platte abgerissen, erluterte Pnin. Dann
deutete er auf eine Vertiefung im Kamm. Das ist das Son-
nentor. Unsere Seismographen in der Ziolkowski-Station
haben die Erschtterung registriert; nach unseren Scht-
Das ganze Innere des Kraters lag vor ihm. Die schwar-
Einige hundert Schritt hinter dem schmalen Steg wich
die Wand zurck. Die Mnner gingen immer noch im
Schatten, aber es war nicht vllig dunkel, denn eine senk-
und dahinter einen natrlichen Felsenkessel. Durch diesen
Kessel war es auch nach der Katastrophe mglich, die Sta-
tion mit Nachschub zu versorgen. Die Lastrakete brachte
die Vorrte heran, und ein Spezialmrser scho die Behl-
Pnin verlie sie vier Stunden vor Sonnenuntergang, aber ei-
gentlich ging er in die Nacht, denn fast der ganze Weg, den
er zurcklegen mute, lag bereits in der Finsternis. Lang-
ner, der den Mond kannte, hatte Pirx auf dem Hinweg er-
klrt, da die eigentliche Nachtklte erst bevorstehe, denn
Wenige Augenblicke spter neigte sich die Spur und ver-
schwand in elegantem Bogen hinter dem Horizont.
Sie waren allein. Es war dunkel. Sie hatten absichtlich alle
Lichter gelscht, um den Start besser beobachten zu kn-
nen. Langner lchelte fein und trat gebeugt an den Tisch,
auf dem sein Rucksack lag. Er entnahm ihm Bcher, eins
nach dem anderen. Pirx, an der konkaven Wand lehnend,
stand breitbeinig da wie an Deck eines Raumschi
es. Er
trug alles in sich: die khlen Kasematten von Luna-Haupt-
station, die engen Flure des Hotels, die Aufzge, die Touri-
sten, die bis an die Decke sprangen und Pumexstckchen
austauschten Dann den Flug zur Ziolkowski-Station, die
digen konnte; er wute, weshalb er lebte. Pirx htte es nie
gewagt, diesem nchternen Menschen zu erzhlen, da er
von romantischen Heldentaten trumte. Langner wrde ihn
anhren, ohne zu lcheln, und wrde ohne Kommentar zu
Pirx kehrte in den Flur zurck. Die Tr der Druckkam-
herum: Ihre orangefarbenen Pckchen befanden sich zwi-
schen Bchern, unter den Regalen, in den Schubladen, ne-
ben den Betten, sogar in der Kche. Und das war alles?
Eigentlich ja es sei denn, man zhlte die groen Wasser-
und Sauersto
ehlter hinzu, die, fest in das Mondgestein
eingelassen, unter dem Fuboden ruhten.
ber der Tr eines jeden Raumes befand sich ein rundes
Kontrollgert, das die Kohlendioxydmenge anzeigte. Dar-
ber hing das perforierte Sieb der Klimaanlage, die laut-
schen Strahlen hatte er keine Ahnung, und Langner war
viel zu besch
igt, um ihn in der Bedienung des Astro-
graphen zu unterweisen. Er hatte beim Bad den ersten
Platz errungen, und die Psychologen behaupteten, er kn-
ne nicht wahnsinnig werden. Sie verbrgten sich fr ihn.
Er war also gezwungen, zwei Wochen Nacht, zwei Wochen
Tag auszuhalten. Gott wei, worauf er warten und worauf
er achten sollte.
Diese Aufgabe, diese Mission, die ihm noch zwlf
Stunden zuvor wie ein unwahrscheinliches Glck erschie-
nen war, zeigte ihm nun ihr wahres Gesicht das Gesicht
einer gestaltlosen Leere. Wovor sollte er Langner und sich
selbst schtzen? Was fr Spuren sollte er suchen? Und wo?
er sich. Er tat dies so schwerfllig, als habe sich sein Ge-
wicht verdoppelt. Er trug die schmutzigen Teller zum Spl-
becken, warf sie hinein, da es schepperte, und drehte den
Warmwasserhahn auf. Whrend er sie von den erstarrten
Fettresten suberte, lchelte er ber seine einstigen Tru-
me. Sie waren auf dem Wege zum Mendelejew-Kamm von
ihm abgefallen und so weit zurckgeblieben, da sie nun
lcherlich und fremd anmuteten, so fremd, da er sich ih-
rer schmte.
Langner blieb immer derselbe man konnte einen Tag
oder ein Jahr mit ihm verbringen, ohne da er sich n-
Langner gar nicht mehr so heldenha
wirkte wie am ersten
Abend. An diesem ersten Abend hatte Pirx ihn bewundert
im Grunde nicht wegen des Heldentums, sondern we-
gen der stoischen Ruhe des Wissenscha
lers.
Dieser erste Eindruck hatte sich jedoch ver
chtigt. Pirx
sah in Langner, dessen Gesellscha
ihm aufgezwungen war,
lediglich einen eintnigen Menschen, obwohl er nicht sa-
gen konnte, da dieser Mensch ihn langweilte. Er, Pirx, hat-
te vorlu
g mehr als genug zu tun, er hatte eine Beschf-
tigung, die ihn vllig in Anspruch nahm. Nun, da er die
Station und ihre Umgebung kannte, ging er nmlich noch
einmal daran, alle Dokumente ber den Unfall zu studie-
ren.
Die Katastrophe hatte sich vier Monate nach Inbetrieb-
gen der Katastrophe waren tragisch. Die vier Mnner in
der Station waren kaum eine Meile vom Schauplatz des
Unglcks entfernt. Sie sahen, wie sich die blendend wei-
e Wand teilte, wie das ganze System der Keile und La-
winenschutzmauern barst, wie der Weg und die ihn stt-
zende Formation fortgetragen wurden und ins Tal sanken.
Das Tal glich ber dreiig Stunden lang einem brodeln-
den Meer innerhalb weniger Minuten hatte das in Auf-
ruhr geratene Gerll die gegenberliegende Wand des Kra-
ters erreicht.
Im Bereich der Zerstrung hielten sich zwei Transporter
auf. Einer der beiden wurde augenblicklich von einer zehn
Meter dicken Gerllschicht begraben man fand nie wie-
der eine Spur von ihm. Der zweite versuchte zu entkom-
men. Er befand sich bereits am oberen Wegabschnitt, also
auerhalb des Lawinenstroms, aber ein gewaltiger Quader
bersprang die Reste der Schutzmauer und fegte ihn in den
dreiig Meter tiefen Abgrund. Der Fahrer 
schen bewegten sich in dem Labyrinth, in dem die weie
Staubmilch brodelte, wie in den Ruinen einer Stadt. Alle
Versuche, den Verunglckten anzupeilen, fhrten in die
Irre. Durch den starken Eisensul
dgehalt des Gesteins war
Radar wirkungslos. Nach einer Stunde, als am Sonnentor
tische Wellen bermittelt und von einem besonderen Ge-
tage und Mondnchte vergingen, und es schien, da der
schwergepr
e Ort keine Sensation mehr hergeben wrde.
Eines Tages, im Morgengrauen, stellte man in der Ziolkow-
ski-Station fest, da auf Mendelejew niemand antwortete.
Auch diesmal rckte ein Trupp aus, um das unbegrei
iche
Challiers Uhr war um zwlf stehengeblieben. Mittags?
Um Mitternacht? Man wute es nicht. Savages Uhr stand
auf zwei. Genaue Untersuchungen sie wurden in der Tat
mit peinlicher Genauigkeit durchgefhrt ergaben, da
die Feder vllig entspannt war. Die Uhr war also sicher-
lich nicht stehengeblieben, als Savage starb, sondern sie war
noch eine Zeitlang weitergegangen.
In der Station herrschte die gewohnte Ordnung. Das Ta-
gebuch, in das alle wesentlichen Ereignisse eingetragen
wurden, enthielt nichts, was auch nur ein Quentchen Licht
in das Dunkel bringen konnte. Pirx studierte Eintragung
um Eintragung. Sie waren lakonisch abgefat. Um die und
die Zeit wurden astrographische Messungen vorgenom-
men, soundso viele Platten wurden unter diesen und jenen
Einer von ihnen war also von der Lektre aufgestanden
und hatte die brennende Pfeife beiseite gelegt, wie man das
gewhnlich tut, wenn man fr ein paar Minuten das Zim-
mer verlassen und gleich zurckkehren will. Der andere
hatte die Zubereitung des Essens unterbrochen und war
fortgegangen fort von der Bratpfanne mit dem aufgel-
sten Fett Er hatte sich nicht einmal die Zeit genommen,
die Khlschranktr zuzuschlagen.
Sie zogen die Skaphander. an und gingen in die Nacht
hinaus. Gleichzeitig? Oder einer nach dem anderen? Wo-
hin? Und weshalb?
Seit zwei Wochen waren sie auf der Station, kannten die
bringen? Steht jemand, der Selbstmord begehen will, von
einer interessanten Lektre auf, lt das aufgeschlagene
Buch zurck, legt die brennende Tabakspfeife beiseite und
geht dem Tode entgegen?
Und Savage? Unter welchen Umstnden war seine Helm-
scheibe gesprungen? War er im Begri
, die Station zu ver-
lassen, oder kehrte er zurck? Wollte er Challiers suchen?
Weshalb war er nicht mit ihm zusammen gegangen? Oder
hatten sie die Station vielleicht doch gemeinsam verlassen?
Wie konnte Savage seinem Kollegen dann gestatten, zum
Abgrund hinunterzusteigen?
Fragen ber Fragen
Der einzige Gegenstand, der nicht an seinem Platz
vorgefunden wurde, war ein Pckchen mit Klischees zur
Aufnahme von kosmischen Strahlen. Es lag in der K-
che auf dem kleinen weien Tisch neben den leeren Tel-
lern.
Die Kommission war zur folgenden Schlufolgerung ge-
langt: An jenem Tage hatte Challiers Dienst. In die Lekt-
re vertie
, bemerkte er pltzlich, da es elf war. Um diese
lie die Station durch die Druckkammer, begab sich zum
Savage versuchte also, mit
Challiers Funkverbindung auf-
zunehmen, und als das milan
g Challiers lebte zu diesem
Zeitpunkt nicht mehr , lief er in die Dunkelheit hinaus
und begann, seinen Gefhrten zu suchen.
Vielleicht verirrte er sich, weil er ber das unbegrei
iche
Schweigen Challiers erregt war, vielleicht riskierte er zu-
viel er war ja der erfahrenere und geschicktere Bergstei-
ger , jedenfalls strzte er bei seiner halsbrecherischen Su-
che, und dabei zerbrach das Glas des Helms. Er prete die
Hand auf die 
nen vollfhren oder eine Pyramide von fnfundzwanzig
Menschen auf ihren Schultern halten knnen! Und dieser
Challiers hatte pltzlich, ohne jede Ursache, einen Schw-
cheanfall erlitten, hundert Schritt von der Station entfernt?
Er war nicht imstande, ber den breiten, leicht abschssi-
gen Hang zur Station zurckzukehren, aber er war kr
ig
liers das Pckchen o
enbar verloren habe, als er in die Tie-
fe strzte. Sicherlich sei es in eine der tausend Spalten des
Gerlls gerutscht und spurlos verschwunden.
Pirx vermochte sich nicht des Eindrucks zu erwehren,
da die Kommission nicht die Hypothesen den Tatsachen,
sondern die Tatsachen der Hypothese angepat hatte. Er
steckte die Protokolle in die Schublade, denn er kannte sie
ven Flucht der Lu
ins Vakuum fhren. Die Sache mit der
Klappe war insofern komplizierter, als ihr Zustand durch
ein zentrales Verteilergert, das in der Funkstation unter-
gebracht war, signalisiert wurde. Beim 
nen der Klappe
ammte ein rotes Lmpchen auf, und gleichzeitig schalte-
te sich das grne Signal ein. Bei diesem Signal handelte es
sich um ein glsernes Auge in einem Nickelring, das im
Zentrum einer ebenfalls verglasten Scheibe des Lokalisa-
an keiner Stelle seines Umlaufs und besttigte die Meldung
des Atmungszeigers, da sich kein Skaphander in seinem
Wirkungsbereich befand.
Es versteht sich von selbst, da Pirx die Apparatur be-
steme registrierten seine erneute Gegenwart. Langner hat-
te den Schacht verlassen und kehrte zurck. Das Alarmzei-
kum, sagte er sich. Er bernahm es, zum Schacht zu gehen,
schlo sie jedoch nicht, weil er rasch zurckkehren woll-
te. Pirx sah nichts Gefhrliches in seinem Verhalten, denn
Langner hatte ja nicht vor, ebenfalls hinauszugehen.
Die Finsternis des Alls um
ng ihn. Die irdische kommt
te auf. Rasch notierte er die Temperatur, steckte die belich-
wohl diese Mondsprnge entgegen allem, was man darber
hrt, durchaus nicht den Lauf beschleunigen: Die Sprn-
ge sind weit, aber dafr schwebt man und bewegt sich viel
langsamer als auf der Erde. Als Pirx die Station erreich-
te und schon die Hand auf das Gelnder legte, erblickte
er den seltsamen Lichtschein zum zweitenmal. Es war, als
habe jemand eine Leuchtkugel in sdlicher Richtung abge-
schossen. Die Leuchtkugel selbst sah er nicht die Station
war im Wege , er sah lediglich einen gespenstischen Wi-
derschein, der die Felsabhnge erhellte. Sie tauchten aus
der Schwrze auf und verschwanden wieder. Wie ein A
e
Abendbrot, im Tiegel Eierkuchenteig, die Pfanne neben der
ten Tisch: die Fotoplatten, die er mitgebracht und achtlos
hingeworfen hatte Betro
en stand er in der Kammer.
Er hielt den Helm in der Hand und rhrte sich nicht vom
Fleck.
Genau wie damals Genau so! dachte er. Langner be-
auf die Bewegungen des Auges und verfolgte den doppel-
ten Rhythmus der Flgel. Unversehens er wute selbst
nicht, warum ergri
er das Antennenkabel und ri es
der Leuchtpistole hp
e in seiner Hand. Man hrte keinen
Knall. Wenn er den Abzug bettigte, gab es einen leich-
ten Rcksto; die Feuerstreifen glhten auf, gi
grn und
purpurn. Sie zerplatzten in rote Tropfen, in Saphirsterne
del den unteren Teil des Sonnentores berhrte. Langner er-
blickte dort einen Schimmer, den er fr einen Skaphander
hielt. Das magische Auge, das nur noch zitterte, weil Pirx in
dem Bleischacht sa, bestrkte ihn in diesem Glauben. Er
ist bewutlos, er erstickt! dachte Langner. Er zog, ohne zu
zgern, den Skaphander an und rannte hinaus.
Der Radarschirm zeigte in Wirklichkeit die erste Alumi-
niumstange, die dicht ber dem Abgrund stand. Langner
Langner war auf dem Weg zum Abgrund wo sich Pirx
au
ielt, wie er glaubte. Er erhellte sich den Weg mit dem
ektor, und an besonders schwierigen Stellen scho er
Leuchtkugeln ab. Zwei Abschsse hatte Pirx bemerkt, als er
zur Station zurckkehrte. Pirx wiederum begann nach vier
oder fnf Minuten Leuchtkugeln abzufeuern, um Langner
zurckzurufen und damit hatte ihr Abenteuer ein Ende.
Bei Challiers und Savage hatte sich die Sache anders ab-
gespielt.
Vielleicht hatte auch Savage so wie Langner seinem
Gefhrten zugerufen: Beeil dich!, aber es kann auch sein,
da Challiers sich nur deshalb so beeilte, weil er rasch wie-
der zu seiner interessanten Lektre zurckkehren wollte
stens dreizehn Minuten das wurde durch Versuche fest-
gestellt.
Savage ging zum Abgrund, um Challiers zu suchen.
Challiers, der inzwischen vom Schacht zurckgekehrt war,
fand die Station leer. Er erblickte das gleiche Bild wie Pirx
und ging seinerseits hinaus, um Savage zu suchen. Viel-
leicht hatte Savage, als er am Sonnentor eintraf, zu spt be-
merkt, da das Radargert nur die Metallstange erfat hat-
te, die im Gerll steckte. Vielleicht war er auf dem Rckweg
gestrzt und hatte sich die Scheibe des Skaphanders zer-
schlagen. Andererseits war nicht auszuschlieen, da er
den Irrtum der Apparatur nicht entdeckt hatte, sondern
da er nach vergeblicher Suche an eine steile Stelle gera-
ten und abgestrzt war. All diese Einzelheiten lieen sich
nicht au
ellen. Die beiden Kanadier waren jedenfalls um-
gekommen.
Das Unglck konnte sich nur im Morgengrauen ereig-
weiteres mit einem Skaphander verwechseln. Wenn sol-
che Umstnde zusammentre
en, ist ein Unglck nicht nur
mglich, sondern sogar wahrscheinlich. Der Zurckblei-
bende fgen wir es der Vollstndigkeit halber hinzu
htte sich innerhalb der Station au
alten knnen, wo im-
mer er wollte, er htte das Unglck nicht verhindert. Nur
wenn er von Anfang an in der Funkstation gewesen wre,
htte er gesehen, da sein Gefhrte keinesfalls in die Irre
lief, und er htte den Schein auf dem Schirm nicht fr ei-
nen Skaphander gehalten.
Challiers war nicht zufllig so nahe an der Stelle gefun-
wenn Sie der Apparatur blind vertraut htten, sagte Tau-
row. Einerseits mssen wir der Technik vertrauen. Ohne
elektronische Gerte knnten wir auf dem Mond keinen
Schritt machen. Aber Aber manchmal mu man solch
ein Vertrauen teuer bezahlen
Das stimmt, sagte Langner. Er stand auf. Ich mu Ih-
nen sagen, meine Herren, wodurch mir mein Sterngefhrte
am meisten imponiert hat. Was mich betri
, so bin ich von
diesem halsbrecherischen Spaziergang so ziemlich ohne
Appetit zurckgekehrt. Aber der hier er legte die Hand
auf Pirx Schulter , aber der hier schlug sich, nach allem,
was passiert war, die Eierkuchen in die Pfanne und a sie
A  
Das Mittagessen bestand aus sechs Gngen wenn man
von den Beilagen absah. Die Wgelchen mit Wein rollten
geruschlos ber die glsernen Stege. ber jedem Tisch
brannte eine Punktlampe: bei Schildkrtensuppe zitronen-
gelb, bei Fisch fast wei mit blulicher Schattierung. Die
Hhnchen waren mit rosa Licht bergossen, vermengt mit
einem seidig-warmen Grauton. Glcklicherweise wurde es
bei schwarzem Ka
ee nicht 
nster Pirx lieferte sich den
trbsinnigsten Gedanken aus. Das Mittagessen hatte ihn
erschp
. Er schwor sich, von nun an im unteren Deck zu
speisen, in der Bar. Hier oben wurde entschieden zuviel
te, einen Rastplatz fr seine Augen. Seine Nachbarin ge-
el ihm. Ein 
acher, rauher Stein hing in ihrem Dekolle-
t. Ein Chrysopas war es nicht, ein Chalcedon auch nicht
Decks, man hatte den Eindruck, als wehe ein Wind aus den
dunklen Tiefen des Alls. Die bei der Transgalaktik-Linie
besch
igten Konstrukteure waren erfahrene Leute. Der
Liegestuhl war bequem bequemer wohl als der Piloten-
sitz, obwohl dessen Form wissenscha
lich durchdacht war.
Pirx frstelte. Dafr gab es Decken. Er hllte sich darin ein
wie in Daunen.
Jemand nahte. Auf der Treppe, nicht mit dem Fahrstuhl.
Seine Nachbarin aus dem Speisesaal. Wie alt mochte sie
sein? Sie hatte ein anderes Kleid an, vielleicht war das ber-
haupt eine andere Frau? Sie legte sich drei Liegesthle wei-
ter hin, schlug ein Buch auf, die Seiten raschelten im Wind.
Pirx blickte vor sich hin. Er konnte das Kreuz des Sdens
schon vorgestellt. Dumm, so ein kurzer Name ehe man
ihn auszusprechen beginnt, ist er schon zu Ende. Pirx
klingt immer wie ix Bei Telefongesprchen passieren
einer blinden Mauer und sogar mit Katzen, die auf dieser
Mauer entlangspazieren. Ein Palmenhain und wei der
Teufel, was noch alles. Die Reise htte einen Monat dau-
ern mssen, wenn man all das wenigstens ein einziges Mal
auskosten wollte.
Die Frau las immer noch. Mssen Frauen ihr Haar so fr-
ben? Ein normaler Mensch beginnt bei solchen Farben zu
zweifeln Aber ihr stand das ganz gut Mit ner brennen-
den Zigarette in der Hand werden mir schon ein paar pas-
sende Worte einfallen, dachte Pirx. Er langte in die Tasche.
ten auf Luxuspassagierschi
en waren ihm fremd, dagegen
wute er, was im Maschinenraum oder im Steuerraum pas-
sieren kann. Viel war das nicht. Bei einer Havarie wrde
das Schi
die Geschwindigkeit entweder aufrechterhalten
tenden Korridor. Numerierte Tren. Er ging weiter, ver-
lie sich auf sein Gehr. ber eine Treppe gelangte er in ein
Zwischendeck und blieb vor einer Stahltr stehen.
denn die eine Gesichtshl
e war geschwollen. Der Hrer-
bgel umspannte seinen Schdel. Der graue, mit Blitzen ge-
schmckte Uniformrock der Transgalaktik-Linie war nicht
zugeknp
, das Hemd war ihm aus der Hose gerutscht.
Ja, antwortete er. Und nach kurzem Zgern: Sind Sie
von derPatrol?
Von der Basis. Ich bin zwei Jahre auf der Transuran
ge
ogen. Ich bin Navigator. Mein Name ist Pirx.
Der andere reichte ihm die Hand. Mindell. Nukleo-
niker. Wortlos gingen sie in den Nebenraum. Es war die
Radiokabine fr Direktverbindungen. Sie war gro. Etwa
zehn Mnner umringten den Hauptsender. Zwei Funker
mit schweiberstrmten Gesichtern schrieben pausenlos,
ma drei Komme mit vollem Schub Bin acht Uhr zwlf
da Ende.
Der Funker zog mit der linken Hand ein Formular her-
an und schrieb ununterbrochen weiter.
Luna Hauptstation an Albatros vier Aresluna Habt ihr
Verseuchung an Deck? Antwortet durch Morsen Phonie
kommt nicht an Wie lange knnt ihr Notschub halten?
Angepeilte Dri
null sechs Komma einundzwanzig Emp-
fang.
Elan zwei Aresluna an Luna Hauptstation Fliege mit vol-
lem Schub zu Albatros Sektor 64 Habe berhitzten Reak-
tor Fliege trotzdem weiter Bin sechs Milliparsek vom an-
gepeilten Punkt entfernt Ende.
Pltzlich stie der zweite Funker, der blasse, einen unar-
tikulierten Schrei aus. Die Umstehenden beugten sich ber
ihn. Der Nukleoniker Mindell, der Pirx hereingelassen hat-
te, reichte dem Ersten Navigator die vollgeschriebenen For-
mulare. Der Blasse schrieb:
Albatros vier an alle Liege in
der Dri
Ellipse T 341 Sektor 65 Rumpfnaht 
Er hat da einen Bruder, sagte er erluternd, wie zu sich
selbst. Pirx beugte sich nun ber den Narbigen.
Luna Hauptstation an Albatros vier Aresluna Zu euch
kommen Elan Sektor 64, Titan aus dem Sektor 67, der Balli-
stische acht aus dem Sektor 44, Kobold sieben null zwei aus
dem Sektor 94 Zementiert die durchlssigen Stellen in der
Wand in Skaphandern hinter Schildern bei berdruck Au-
genblickliche Havarie-Dri
ansagen. Ende.
Der Mann, der den jungen Funker vertrat, sagte laut:
Albatros! Alle bemhten sich, ihm ber die Schulter zu
sehen. Er schrieb:
Albatros vier an alle Havarie-Dri
nicht
unter Kontrolle Rumpfquerwnde durchlssig Verliere
Lu
Besatzung in Skaphandern Maschinenraum unter
Lsung Schilder durchgeschlagen Temperatur im Steuer-
raum 63 Erster Durchbruch im Steuerraum zementiert
Lsung siedet berschwemmt den Hauptsender Seitdem
nur Verbindung durch Phonie Erwarten euch Ende.
Fast alle rauchten. Der Rauch stieg in blauen Schwaden
nach oben, man sah, wie er von den Ventilatoren aufgeso-
gen wurde. Auch Pirx verlangte es nach einer Zigarette, er
ngerte in allen Taschen herum, konnte aber nichts 
nden.
Irgend jemand Pirx htte nicht sagen knnen, wer es war
drckte ihm eine angerissene Schachtel in die Hand. Er
bediente sich.
Mindell, voller Schub! sagte der Kommandant. Er bi
sich auf die Unterlippe.
Mindell war sichtlich berrascht, aber er schwieg.
Warnung? fragte der Mann, der neben dem Chef sa.
Ja. Mach ich selbst. Her damit!
Er zog das Mikrofon am Dreharm zu sich heran und be-
gann zu sprechen:
Titan Aresterra an Albatros vier Kom-
men in voller Fahrt Be
nden uns an der Grenze zu eurem
Sektor Sind in einer Stunde da Versucht, durch Notaus-
gang zu entkommen Sind in einer Stunde bei euch Wir
kommen Durchhalten Durchhalten Ende.
Er stie das Mikrofon beiseite und erhob sich. Min-
dell sprach ins Interkom: Jungs, in fnf Minuten vollen
Schub! Ja, ja, antwortete der Mann am anderen Ende
der Leitung. Der Kommandant ging hinaus. Man hrte sei-
ne Stimme im Nebenraum.
Achtung! Achtung! Passagiere! Achtung! Achtung! Passa-
giere! Wir geben eine wichtige Meldung durch, In vier Mi-
nuten erhht unser Schi
die Geschwindigkeit. Wir erhielten
einen SOS-Ruf und mssen uns beeilen
Jemand schlo
die Tr.
Mindell berhrte Pirx Schulter. Halten Sie sich irgend-
wo fest. Wir werden mehr als zwei haben.
Pirx nickte. 2g das machte ihm nichts aus, aber es
schien ihm nicht der rechte Augenblick zu sein, sich mit
der eigenen Standfestigkeit zu brsten. Gehorsam umklam-
merte er die Lehne des Sessels, auf dem der ltere Funker
sa. ber dessen Schulter las er:
Albatros vier an Titan Kann mich nicht mehr eine Stun-
de an Deck halten Havarie-Eingang durch berstende
Trennwnde verklemmt Temperatur im Steuerraum ein-
undachtzig Dampf fllt Steuerraum aus Versuche, die
Spitzenpanzerung zu durchschneiden und hinauszukommen
Ende.
Der Mann im aufgeknp
en Uniformrock, der den jn-
geren Funker vertrat, sprang pltzlich auf und sah den Chef
an, der zu ihm trat. Er nahm die Kop
rer ab und reichte
te Verkehr in den Sektoren des Leitstrahls des SOS-Punktes
wird gestoppt Beginnt mit dem Bremsen auf dem Millipar-
sek vor dem Punkt SOS Darauf achten, da die Bremsen
im optischen Bereich des Albatros gelscht werden, die Be-
satzung kann das Deck bereits verlassen haben Wnsche
Erfolg Ende.
Zentrum von Sektor
einen Blitz mit der Helligkeit minus
vier beobachtet Elan und Albatros antworten nicht auf An-
rufe Es besteht die Mglichkeit einer Explosion des Reak-
tors auf Albatros Mit Rcksicht auf die Sicherheit der Pas-
sagiere wird Titan Aresterra aufgefordert, zu stoppen und
sich sofort zu melden Ballistischer acht und Kobold sieben
null zwei handeln weiter nach eigenem Ermessen Ich wie-
derhole: Titan Aresterra wird aufgefordert
Alle sahen den Kommandanten an.
Herr Mindell, sagte er. Stoppen wir auf dem Milli-
parsek?
Mindell warf einen Blick auf seine Armbanduhr.
Nein, Herr Navigator, dazu wren 6 g erforderlich. Wir
kommen auf die Optische.
Und wenn wir den Kurs ndern?
Auch dann werden wir mindestens drei haben, sag-
te Mindell.
Also nichts zu machen.
Der Chef stand auf und trat ans Mikrofon.
Titan Arest-
erra an Luna Hauptstation Kann nicht stoppen, habe zu
hohe Geschwindigkeit ndere Kurs durch berholman-
ver mit halber Zugkra
und gehe ber Sektor
mit Kurs
zweihundertzwei in Sektor 66 Bitte den Weg freigeben
Empfang.
Die Besttigung nehmen Sie entgegen, sagte er zu dem
Mann, der vorher neben ihm gesessen hatte. Die Sendege-
rte summten ununterbrochen. An den Wandtafeln 
im-
merten die Lichter. Pltzlich schien es dunkler zu werden
das Blut strmte aus den Augen zurck. Pirx stellte sich
breitbeinig hin. Der Flug wurde gebremst, sie gingen in
die Kurve. Der Titan vibrierte schwach, man hrte das
schrille Heulen der Triebwerke.
Meter groen, gewlbten Bildschirm, der die gesam-
te Stirnwand einnahm wie in einem riesigen Filmthea-
ter. Alle Lichter waren gelscht. Auf dem schwarzen,
mit Sternen bersten Schirm unterhalb der Hauptach-
se des Titan, im linken Quadranten, glomm ein dnner
Strich, dessen Ende kirschrot glhte wie ein Kohlestck-
chen das Ganze erinnerte an eine brennende Zigarette.
Ein langer Lichtstreifen 
el in den dunklen Steuerraum,
jemand hatte die Tr zur Funkkabine ge
Eine Weile verharrten sie noch vor dem Schirm. Der
Vom Ballistischen?
Ja.
Chef! Luna Hauptstation! rief jemand aus der Funkka-
bine. Der Chef ging. Pirx stand Mindell gegenber, der sich
mechanisch ber die geschwollene Wange fuhr und das Ta-
schentuch wegsteckte.
Pirx wollte Mindell noch mehr fragen aber er unter-
lie es. Er nickte nur und ging in die Funkkabine hinber.
Aus dem Lautsprecher tnten zehn Stimmen auf einmal,
Schi
e aus fnf Sektoren erkundigten sich nach Albatros
und nach Elan. Luna Hauptstation hie sie schlielich
schweigen, um das Verbindungsknuel zu entwirren, das
nach der Blockierung des Raumes um den Sektor 65
ent-
standen war. Der Kommandant sa neben dem Funktech-
T
Von der Haltestelle war es noch weit, vor allem, wenn man
einen Ko
er trug wie Pirx. Der Morgen graute ber den
gespenstisch weien Feldern, Lastwagen, denen silbrige
Dampfschwaden vorauseilten, rollten vorbei. Ihre Reifen
Alle Konturen begnnen zu wogen, sich in der erhitzten
Lu
zu krmmen, whrend der Urheber dieses Schauspiels
triumphierend brllend in der Hhe verschwand und einen
gewaltigen schwarzen Kreis rauchender Erde unter sich zu-
rcklie. Nach einer Weile 
el warmer, grotrop
ger Kon-
densationsregen vom sternklaren Himmel.
Pirx nahm den Ko
er auf und ging weiter. Die Rakete
schien die Nacht durchbrochen zu haben es wurde heller
und heller, man konnte sehen, wie der tauende Schnee in
den Grben versackte und die ganze Ebene aus den Dampf-
wolken au
auchte.
Wenn sich ein solches lteres Raumschi
beim Bremsen in
der Atmosphre Brandstellen zuzog, dann glaubte man, ei-
den das Heck warf, blieb unter dem Trichter des ersten Ka-
tapults stehen und blickte in die Hhe. Der Reifenrand, der
viel zu weit oben kla
e, als da er ihn htte erreichen kn-
nen, war von einer dicken Ruschicht bedeckt. Pirx zog
prfend die Lu
ein. Die Motoren schwiegen lngst, aber
noch immer war der charakteristische scharfe Ionisations-
geruch zu spren.
Komm doch mal, sagte jemand hinter ihm. Er wand-
te sich um, konnte aber niemanden entdecken. Die Stimme
ertnte ein zweites Mal, ganz dicht, hchstens drei Schritt
entfernt.
He, ist da jemand? rief Pirx. Die Wort hallten dumpf
unter der schwarzen Heckkuppel, in die Dutzende von Aus-
Pneumatics versehen waren, sondern mit schnurumwun-
denen kupfernen Klinken.
Die kleinen Fenster der Numeratoren zeigten glserne
Augpfel. Pirx drckte auf den Taster des Informators ein
Knacken im bermittler, ein Rascheln in der Metallbuch-
se, aber das kleine Schild blieb dunkel.
Was tun? berlegte er. Beim berwachungsdienst be-
schweren?
Er 
rodierten Isolationsplatten, das verblichene Rot der Lsch-
leitungen und die ausgeleierten Eisenkurbeln zum Herun-
Pirx ging weiter, er konnte sich des Eindrucks nicht er-
wehren, immer tiefer ins Erdinnere hinabzusteigen. Es
Regal mit mehreren K
banden sich mit dem Staub zu einem schwrzlichen Brei.
Terminus schwankte hin und her, er glich eher einem Rit-
ter in voller Rstung als einem Automaten.
Ist das hier dein Platz? fragte Pirx. Die glsernen Au-
gen gingen auseinander, der Roboter schien sich zu orien-
tieren, das abge
achte Gesicht wirkte durch dieses Schielen
noch ausdrucksloser als vorher, noch stumpfsinniger.
sein, lter noch als das Raumschi
. Die rechte Schulter war
ensichtlich einmal erneuert worden, lschmutz klebte
an H
en und Schenkeln, rings um die Nahtverbindun-
gen hatte das geglhte Blech eine granitene Farbe ange-
nommen.
Terminus! Pirx rief es so laut, als ob er einen Tauben
vor sich htte. Terminus, geh auf deinen Platz!
Ich gehe Der Automat bewegte sich wie ein Krebs,
er wich zurck und zwngte sich rasselnd in sein o
enes
Versteck. Pirx sah sich nach der Katze um, konnte sie aber
nirgends entdecken. Er verlie die Kammer, schlo die Tr
hinter sich und fuhr mit dem Aufzug in den vierten Stock
zur Navigationskabine.
Es war ein breiter, niedriger Raum mit geschwrzter Ei-
chenverkleidung und einem Balkengewlbe, er hnelte mit
seinen Bullaugen, die von kupfernen Ringfassungen um-
geben waren, einer Schi
skajte. Vor vierzig Jahren galt
das als modern, sogar die Plastikbeschlge waren so ge-
fertigt, da sie wie eine Holztfelung wirkten. Pirx 
ne-
te eines der runden Fenster und htte sich um ein Haar
den Kopf gestoen verborgene Glhlampen schufen die
Illusion von Tageslicht. Er schlug die glserne Klappe zu
und wandte sich um. Von der Decke hingen groe, bis auf
den Fuboden reichende Himmelskarten herab, blablau
wie die Meere im Atlas, in den Ecken lag Pauspapier her-
um, ber und ber mit bunten Kursdiagrammen bemalt.
Das Reibrett unter dem kleinen Punktscheinwerfer war
von Zirkelstichen durchlchert. In einem Winkel des Rau-
mes stand ein Schreibtisch, davor ein schwerer Eichenses-
sel, der am Fuboden festgeschraubt war. Der Sessel hat-
te ein Kugelgelenk, er lie sich nach jeder beliebigen Seite
neigen. In die Wnde waren breite, gerumige Bcherrega-
le eingelassen. Eine wahre Arche Noah, dachte Pirx. Wie
hatte sich der Agent doch gleich ausgedrckt? Sie bekom-
men ein historisches Schi
, hatte er gesagt, als er den Ver-
len, Resultate von Berechnungen , es war nicht das, was er
suchte. Bei einer Eintragung verweilte er lnger.
Schi
in die Wer
Ampers-Hart gegeben berholung I.
Kategorie.
Der Vermerk war drei Jahre alt Pirx entnahm es dem
Datum. Mal sehen, was sie ausgebessert haben, dachte er.
Nicht da er neugierig war, er wollte sich nur informie-
ren. Als er die Aufstellung der Reparaturen durchsah, 
el er
von einem Erstaunen ins andere. Von Spitzenpanzerungen
war da die Rede, von sechzehn Decksektionen, von Span-
Er gri
ein zweites Mal nach dem Logbuch. Eine
schwungvolle, deutliche Schri
, die Tinte war verblichen.
Fleisch und Blut bergegangen wie der Name des Schi
es
von Christoph Kolumbus. Herrgott, wie hie es doch gleich
Khlung Zugkra
maximale Reichweite eingefhrt
auf der Linie Terra-Mars, verlorengegangen infolge Kollision
mit dem Strom der Leoniden nach sechzehn Jahren von ei-
nem Patrouillenschi
im Aphel der Umlau
ahn wiederge-
funden, nach berholung I. Kategorie bei Ampers-Hart durch
die Compagnie des Sdens auf der Linie Terra-Mars einge-
setzt Kleinguttransport Versicherungstarif
Nein, das
nicht aber hier:
unter dem Namen Blauer Stern.
Pirx schlo die Augen. Wie still es ist Sie haben also
den Namen gendert Sie wollten bei der Anheuerung ei-
ner neuen Besatzung keine Schwierigkeiten haben Des-
halb hatte der Agent
Ihm 
el ein, was man sich in der Basis ber den Fall
erzhlte. Es war ja ihr Patrouillenschi
gewesen, das das
Wrack entdeckt hatte Die Meteoritenwarnungen kamen
damals immer viel zu spt. Das Protokoll der Katastro-
phenkommission war lakonisch abgefat: Hhere Gewalt
Keine Schuldigen. Und die Besatzung? Man fand Spu-
ren, die darauf hindeuteten, da nicht alle sogleich umge-
kommen waren. Zu denen, die am Leben blieben, gehrte
der Kommandant. Die Mnner waren durch die Trmmer
der zerstrten Decks voneinander getrennt worden, aber
Momssen brachte es zuwege, da keiner seelisch zusam-
menbrach, obwohl ihnen keine Ho
Pirx sah sich im Geiste wieder in dem modernen Hr-
saal Sein Kamerad Smiga, ber und ber mit Kreide
beschmiert, stand an der Tafel und qulte sich mit Mo-
dellzeichnungen herum, und er, Pirx, las heimlich eine Zei-
schinen? Schn und gut, aber was fr welche? Und welches
Taragewicht? Weshalb fehlt das Diagramm der Ladung mit
dargestelltem Schweremittel? Nichts nur das Bruttoge-
wicht und das Schema der Verteilung auf die Laderume.
Im Heck sind kaum dreihundert Tonnen verstaut wieso?
Soll das Schi
mit verminderter Last 
iegen? Warum er-
und Grnzeug, sie bekamen o
monatelang kein Frisch-
gemse zu sehen, denn die hydroponischen Solarien wa-
ren erst im Bau.
Krne wurden verladen, Betonmischmaschinen, Ele-
mente von Gitterkonstruktionen, Glaswatte in groen Bal-
len, Medikamente, Behlter mit Zement und Rohl. Jedes-
mal, wenn ein Warnzeichen ertnte, gingen die Arbeiter
in Deckung. Sie sprangen in die Strahlungsschutzgrben,
in gepanzerte Zugmaschinen und kaum war alles vorbei,
da nahmen sie ihre Ttigkeit wieder auf, auch wenn der
Betonboden noch nicht abgekhlt war. Um zehn, als sich
die Sonne ber dem Horizont zeigte, rot, rauchverhangen
und eigenartig gedunsen, waren die Betonschutzwlle zwi-
schen den Startrampen rissig, rubedeckt und vom Feu-
er zerfressen. Die Schden wurden rasch mit schnelltrock-
nendem Zement ausgebessert, der wie Schlammfontnen
aus den Schluchen quoll. Die Mnner der Strahlungsbe-
kmpfung sprangen in ihren Skaphandern aus den Spezial-
fahrzeugen und rieben den Boden mit Sandstrahlgeblsen
ab, Sirenengeheul ertnte, schwarz-rote Kontrollwgelchen,
und unterschrieb. Bei der Probe begannen die Kompresso-
ren an den Ventilen zu schwitzen, Pirx Stimme tnte wie
die Posaunen von Jericho. Zu allem ber
u stellte sich
heraus, da die Wasserlast schlecht verteilt war, irgendein
Schwachkopf hatte das Ventil herumgeworfen, bevor sich
ten hastig Sandscke das hektische Lichtsignal am Turm
trieb sie zur Eile , ein Funkspruch war gekommen, aber
anstelle des Piloten hatte ihn der Elektriker entgegenge-
nommen und versumt, ihn einzutragen: Das ist nicht
meine Sache!
Pirx brummte der Schdel. Er tuschte nur noch vor,
ber den Dingen zu stehen. Zwanzig Minuten vor dem
Start fate er einen riskanten Entschlu er lie das ge-
samte Wasser von der Spitze ins Heck umpumpen. Mag ge-
schehen, was will, dachte er. Schlimmstenfalls wird es sie-
den Hauptsache, die Standfestigkeit erhht sich!
Elf Uhr vierzig Motorenprobe. Nun gab es kein Zu-
rck mehr. Pirx Vermutung, da die Mnner nichts taug-
ten, erwies sich als bereilt. An Boman fand er sogar Ge-
fallen. Man sah und hrte ihn nicht, dennoch lief alles wie
am Schnrchen. Dsengeblse, kleiner Schub, voller Schub
sechs Minuten vor Null, als die Flughafenbehrde Zum
Start kommandierte, war alles bereit. Die Mnner lagen
auf den heruntergeklappten Sesseln, Mulat, der zweite Pi-
lot, war recht niedergeschlagen von seiner Braut zurckge-
kehrt, und auch der Sanitter hatte sich eingefunden. Der
Lautsprecher krchzte, blkte, der Zeiger kroch auf Null
Start.
Pirx war sich darber im klaren, da ein Neunzehn-
tausend-tonnenschi
standen schon auf halber Kra
, der Rumpf bebte von den
Heckdsen bis zur Spitze, als wollte er bersten und dabei
hatte sich der Blaue Stern noch nicht einmal vom Bo-
den erhoben! Vielleicht liegen wir irgendwie fest, dachte
nen, mal zeigte er 3,8 an, mal 4,9, dann kroch er schamlos
bis 5, und schlielich 
el er erschrocken auf 3 zurck. Es
war, als htten sie Kle in den Dsen! Nun hatten sie vol-
len Schub. Pirx prete beide Hnde um die Haube anders
konnte er die Stimme des Piloten nicht hren. Der Blaue
Stern brllte, aber es war beileibe kein ballistisches Tri-
umphgebrll, sondern ein Verzwei
ungsschrei, ein Kampf
mit der irdischen Schwerkra
auf Leben und Tod. Minu-
tenlang schien das Schi
unbeweglich im Raum zu stehen
leicht ist es Dampf aus geplatzten Khlrohren! Aber so war
es nicht: Sie 
ogen. Der Sanitter lag kreidebleich da, er
schien krank zu sein. Von ihm werden wir nicht viel Fr-
sorge erwarten knnen, dachte Pirx. Die Ingenieure hielten
sich gut, Boman schwitzte nicht einmal er war grau im
Gesicht, hielt die Augen geschlossen, still und friedlich wie
ein kleiner Junge. Unter den Sitzen spritzte Flssigkeit aus
den Amortisatoren, da es nur so eine Art hatte die Kol-
ben stieen fast ganz durch. Bin neugierig, was geschieht,
wenn sie wirklich durchstoen, dachte Pirx.
Die altmodische Anordnung der Meuhren war ihm un-
aus den Fugen, sagte sich Pirx. Selbst Karbide sind nicht
unzerstrbar Wie dick mag der Panzer sein? Keine An-
gaben Jedenfalls ist er ordentlich angesengt Ihm wur-
de hei, aber das war wohl mehr auf seine rege Phanta-
sie zurckzufhren, denn innen zeigte das
lang zum Mars htten bummeln mssen. Vorerst jedoch vi-
sierten sie den Satelliten Arbiter an.
Pirx ging es wie allen Navigatoren, vom Arbiter erwar-
tete er nichts als Unannehmlichkeiten entweder Vorhal-
tungen wegen des unvorschri
smig groen Triebstrahls
oder die Behauptung, man drnge sich ihm auf, obwohl er,
Arbiter, zuerst ein wichtigeres Raumfahrzeug durchlassen
msse, oder eine Rge, weil die ionisierenden Entladungen
in den Dsen den Funkempfang strten aber diesmal ge-
schah nichts dergleichen. Arbiter lie sie anstandlos passie-
ren. Das einzige, was sie von ihm hrten, war eine Meldung
ber hohes Vakuum. Pirx beantwortete den Funkspruch,
und damit war der Austausch kosmischer H
ichkeiten be-
die Zeiger der Atomsule 
el, p
er vor berraschung vor
sich hin das war keine Sule, sondern ein Vulkan. Acht-
hundert Grad in der Ummantelung und das nach erst
vier Flugstunden! Die Khlung kreiste unter einem maxi-
malen Druck von zwanzig Atmosphren. Pirx berlegte.
Das Schlimmste schienen sie berwunden zu haben. Die
Landung auf dem Mars war kein Problem die Schwer-
kra
war um die Hl
e geringer, die Atmosphre dnner.
Irgendwie zurckkommen wrden sie schon. Aber die Su-
ankiert war, vernahm er ein dumpfes Drhnen es
hrte sich an, als galoppiere eine Schar gepanzerter Reiter
ber Eisenplatten.
Pirx beschleunigte seinen Schritt, ein schwarzes Knu-
Grenze ein Anblick, der jeden Kontrollinspekteur an den
Rand eines Herzinfarkts gebracht htte. Die felsenhnliche
Betonwand, narbig und rauh von den vielen. Zement
ik-
ken, strahlte tdliche Hitze aus. Die Bleche der Plattform
vibrierten es war ein unangenehmes, nervses Beben, das
sich dem ganzen Krper mitteilte. Das Lampenlicht spie-
gelte sich lig in den blitzenden Scheiben der Ventilatoren,
ein weies Signallmpchen begann zu 
ackern und ver-
losch, statt dessen 
ammte ein rotes Warnlicht auf. Pirx
trat unter die Plattform, um nach den Leitungsschaltern zu
sehen, aber Boman war ihm zuvorgekommen, er hatte den
Automaten bereits auf Unterbrechung der Kettenreaktion
te: Es war neun, die Zeit war wie im Fluge verstrichen. Er
knipste das Licht aus und verlie den Raum.
Als er in den Fahrstuhl stieg, entglitt ihm san
der Fu-
boden unter den Fen. Der Automat hatte die Sule aus-
ab, vollfhrte eine Wende wie ein Schwimmer und huschte
lautlos weiter. In dem samtenen Schwarz schimmerten in
neut an. Pirx Blick 
el auf ein Rohr, das aus einem Quer-
gang kam und unter der Decke entlanglief. Er berhrte es
und sprte, wie es zitterte. Die Klopfzeichen ertnten in
Gruppen jeweils zwei, drei Schlge auf einmal. Pltzlich
hatte er begri
en: Jemand morste!
A-c-h-t-u-n-g, drhnte es im Rohr. B-i-n-h-i-n-t-e-r-
d-e-m-s-p-a-n-t-e-n. Pirx reihte die Buchstaben aneinan-
der, eine Silbe nach der anderen.
-b-e-r-a-1-l-e-i-s
Eis ? Im ersten Augenblick begri
er gar nichts. Was
fr Eis? Was soll das? Wer
D-e-r-b-e-h--1-t-e-r-g-e-s-p-r-u-n-g-e-n , tnte es.
durch eine Staubwolke den verbogenen Stumpf des Rohres
Stille oder?
Das Rohr bebte nur leicht. Wie aus weiter Ferne war ein
leises Pochen zu hren drei Striche, drei Punkte, drei Stri-
che: SOS. Die Klop
ne wurden immer schwcher. Noch
zwei Striche Noch einer, dann ein durchdringender, er-
sterbender Laut, als kratze oder schabe jemand am Rohr.
Pirx hangelte sich weiter, er glitt mit dem Kopf voran am
Rohr entlang und folgte dem Strang um Ecken und Kur-
ven, mal hher, mal tiefer schwebend.
Da, der Schacht, er stand o
en
Der schrge Gang Die Wnde rckten nher zusam-
Die erste, die zweite, die dritte Tr des Laderaums Es
rusche kamen, aber es war vergebens. Auf gut Glck bog
er links ab. Ein Eingang. Ein Tunnel, der enger wurde,
schwarz wie Teer. Am Ende war ein Lichtschein zu erken-
nen. Pirx schwamm auf ihn zu, so rasch er konnte, und lan-
Ich plombiere das Leck, antwortete die tiefe Stimme.
S-i-m-o-n-a-n-w-a-y-n-e p-o-t-t-e-r p-r-a-t-t-h-
a-t-n-u-l-l m-o-m-s-s-e-n-a-n-t-w-o-r-t-e-t-n-i-c-h-t
Das Eisen drhnte unter der Gewalt der Schlge. Der
schwere Zementteig tro
herab, die sthlernen Klauen ris-
sen ihn hoch, hielten ihn fest, preten ihn erneut an die
Flche. Einige Sekunden lang erstarrten die Arme in hoch-
erhobener Stellung, dann bckte sich der Automat, schpf-
Ich habe das Leck plombiert. Vier zehntel Rntgen in
der Stunde. Darf ich weiterplombieren?
er las die Zeichen an den Bewegungen der Arme ab, die im
Dmmerlicht au
litzten.
M-o-m-s-s-e-n-a-n-t-w-o-r-t-e
Er lag auf dem Rcken, fand keinen Schlaf. Vor seinen Au-
gen erstanden Bilder, sie zuckten auf wie Blitze und wur-
den durch neue verdrngt Pratt hatte sich also weiter
ins Schi
sinnere gewagt , grbelte er. Der Sauersto
war ihm ausgegangen Die beiden anderen hatten ihm
nicht helfen knnen Und Momssen? Weshalb antwor-
tete der nicht? Tot? Nein, Simon hrte ihn Er war
also irgendwo in der Nhe, vielleicht hinter der Wand
Hinter der Wand? Dann mu dort Lu
gewesen sein
wohl Er konnte sich nicht bewegen, denn bei der nied-
rigen Temperatur gerann ihm das l in den Gelenken
Die hydraulische Flssigkeit gefror, sprengte die Leitun-
gen brig blieb nur das Elektronengehirn, es hatte al-
les vernommen, hatte die Klopfzeichen, die immer schw-
cher wurden, festgehalten, hatte sich alles gemerkt, als ob es
erst gestern geschehen wre. Und Terminus selbst Ahnt
er nichts? Wie das? Wei er wirklich nicht, da die Morse-
zeichen den Rhythmus seiner Arbeit bestimmen? Lgt er?
Nein Automaten lgen nicht
Die Mdigkeit berschwemmte Pirx wie schwarzes Was-
ser.
Vielleicht sollte ich gar nicht hinhren, dachte er. Es war
ihm unertrglich, immer wieder diesen Todeskampf mit-
zuerleben und jede furchtbare
Einzelheit, jede Phase, jedes
Signal zu analysieren, das Flehen um Sauersto
, das Schrei-
en. Man darf das nicht tun, wenn man nicht helfen kann
, sagte er sich. Bleiern senkte sich der Schlaf auf ihn, er
war keines Gedankens mehr fhig, nur seine Lippen form-
ten stumm, als widersprche er jemandem: Nein Nein
Nein
Dann war nichts mehr.
In vlliger Dunkelheit fuhr er hoch. Er wollte sich im
fhrte eine Wendung, deutlich war das Vibrieren zu sp-
ren. Die Wandschrnke knackten warnend, eine Tr 
ne-
te sich mit rgerlichem Krchzen, Kleidungsstcke, Schuhe
alle Gegenstnde, die nicht befestigt waren, rutschten in
Richtung Heck, urpltzlich belebt, als verbinde sie ein ge-
heimes Streben.
Pirx trat an das Schrnkchen des Interkoms und 
ne-
te es. Drinnen stand ein Apparat, der einem altmodischen
Telefon hnelte.
Steuerraum! rief er in den Hrer. Die Kopfschmerzen
waren so he
ig, da er beim Klang seiner Stimme zusam-
menzuckte.
Erster. Was ist?
Kurskorrektur, antwortete der Pilot wie aus weiter Fer-
Wir haben eine kleine Abweichung.
Wie gro?
Sechs Nein, sieben Sekunden.
Was macht die Sule? fragte Pirx vorsichtig.
Sechshundertzwanzig im Mantel.
Und in den Laderumen?
In den Bordrumen je zweiundfnfzig, in den Kielru-
men siebenundvierzig, in den Heckrumen neunundzwan-
zig und fnfundfnfzig.
Welche Abweichung hatten wir, Munro? Wieviel sag-
ten Sie?
Sieben Sekunden.
Nach schn. Pirx warf den Hrer auf die Gabel. Er
wute, da der Pilot log. Fr eine Korrektur von sieben
Sekunden htte es nicht einer solchen Beschleunigung be-
dur
. Er schtzte die Kursabweichung auf mehrere Grad.
Diese Hitze in den Laderumen , dachte er. Mchte
wissen, was sie im Heck untergebracht haben Etwa Le-
bensmittel?
lut still. Pirx hing nahe
zu regungslos ber seinem eige-
schwebte wie ein riesiges Gespenst davon. Er lschte das
Licht, legte sich hin, bedeckte den Kopf mit einem Kissen
und schlo die Augen. Idiot! Verdammter eiserner Idiot!
murmelte er vor sich hin. Er zitterte vor Wut, konnte sich
aber deren Ursache nicht erklren. Die Erschpfung ber-
wltigte ihn, im Nu war er eingeschlafen.
Als er die Augen aufschlug, war es gegen sieben. Be-
nommen hob er die Hand sie 
el nicht herab. Er zog
sich an, stie sich ab, schwebte hinaus. Drauen auf dem
Gang lauschte er unwillkrlich. Es war still. Im Steuerraum
herrschte Halbdunkel, grnliche Lichtre
exe spielten auf
den Radarschirmen. Der Pilot lag weit zurckgelehnt im
Sitz und rauchte, der Qualm hing in Schwaden vor den
Bildschirmen und verfrbte sich in ihrem Licht. Ein lei-
ses Klimpern war zu hren, irgendeine irdische Melodie,
die ab und zu von kosmischen Geruschen bertnt wur-
de. Pirx lie sich auf den Sitz hinter dem Piloten gleiten. Er
hatte nicht einmal das Verlangen, die Werte des Schwere-
messers abzulesen.
Wann geben Sie Schub? erkundigte er sich.
halb wachend, halb trumend vor sich hin, bis der Laut-
sprecher zu krchzen begann.
Hier spricht Dejmos. Es ist sieben Uhr dreiig. Wir sen-
den unser tgliches Meteoritenkommunique fr die inne-
re Zone. Unter dem Ein
u des Schwerefeldes des Mars ist
im Schwarm der Drakoniden, der die Grtelzone verlassen
hat, eine Randstrung entstanden. Sie wird heute die Sek-
toren 83, 84 und 87 kreuzen. Von der Meteoritenstation des
Mars wird die Wolke auf vierhunderttausend Kubikkilome-
ter geschtzt. In diesem Zusammenhang werden die Sekto-
ren 83, 84 und 87 bis auf Widerruf fr alle Flge gesperrt.
Nach dem Essen suchte Pirx den Navigationsraum auf
und begann die bisher zurckgelegte Strecke einzuzeich-
nen. Pltzlich stutzte er und bohrte die Zirkelspitze ins
Reibrett. Er zog die Schublade auf, gri
nach dem Log-
buch und ber
rgerte er sich er ahnte, da er des Nachts keinen Schlaf
nden wrde.
latoren spannten. Beiderseits des schmalen Korridors erho-
ben sich, hoch wie Kirchenschi
e, die riesigen Laderume.
Pirx ging noch eine Weile auf und ab. Kurz nach Mitter-
nacht verstummten die Triebwerke Schwerelosigkeit trat
Pirx vernahm Gerusche, schrille und gedmp
e, sie
drangen aus verschiedenen Richtungen an sein Ohr und
verebbten allmhlich. Er wute, da der Lrm von unbe-
festigten Gegenstnden verursacht wurde, die sich beim
Eintritt der Schwerelosigkeit in Bewegung setzten, gegen
Wnde, Decken und Fubden schlugen und ein vielstim-
miges Echo erzeugten. Endlich verhallte das Getse. Stil-
le trat ein, nur noch das eintnige Rauschen der Ventilato-
ren war zu hren.
Pirx 
el ein, da das Schreibtischschubfach im Navigati-
onsraum klemmte. Auf der Suche nach einem Stemmeisen
schwamm er einen langen, darmhnlichen Flur entlang,
der zwischen dem Backbordladeraum und dem Kabel-
ten Hintergrund ab. Der Automat schwankte, ruderte mit
den Armen.
He, Terminus! rief Pirx und glitt aus dem Schatten.
Ich hre.
Die dunkle Gestalt blieb stehen, der Krper rckte tr-
ge in die Senkrechte.
Was tust du hier?
Die Muse , schnarrte es hinter dem Brustpanzer,
ein heiserer Zwerg schien in der Rstung zu stecken.
die Muse schlafen unruhig Sie wachen auf Sie lau-
fen umher Sie haben Durst Wenn sie Durst haben,
mu man ihnen Wasser geben Die Muse trinken viel
bei hoher Temperatur
Und was tust du? fragte Pirx.
Pupillen bewegten sich, 
nen lnglichen Riegel. Er schwamm heran, schob den Rie-
gel zurck, 
Vorsichtig schob er die kleine Tr zu und kehrte in die
Kajte zurck. Er zog sich aus, legte sich hin, fand aber
keinen Schlaf. Unschlssig gri
er nach dem Tagebuch des
Astronavigators Irving, legte es jedoch nach kurzem Blt-
tern wieder beiseite die Augen brannten ihm, als habe
jemand feinen Sand hineingestreut. Hellwach, aber mit
brummendem Schdel, dachte er verzweifelt an die vielen
Stunden, die ihn noch vom Tage trennten. Er warf sich den
Mantel um und verlie die Kajte.
Dort, wo der Hauptkorridor den Bordgang kreuzte, hielt
er inne ein Stampfen drang aus dem Ventilationsschacht.
Er prete das Ohr ans Gitter und lauschte. Die Gerusche
kamen von unten, sie waren verzerrt der tiefe, brunnen-
artige Schacht erzeugte ein vielfaches Echo. Pirx stie sich
mit den Hnden vom Gitter ab und glitt, mit den Fen
voran, zum Heck hinunter. Die Schritte erdrhnten nun
in unmittelbarer Nhe, sie verstummten einen Augenblick,
gang unterbrach er erneut seinen Marsch und versuchte
vergebens, den Kopf durch das Gitter eines Ventilations-
schachts zu stecken. Zischend richtete er sich auf und stapf-
te weiter. Pirx hatte es satt.
Terminus! rief er.
Der Automat, der sich gerade bckte, hielt mitten in der
Bewegung inne. Ich hre.
Was suchst du hier schon wieder? Pirx starrte den Ro-
boter an. Er blickte in eine abge
achte, ausdruckslose Lar-
ke und Fuboden. Die Zuglu
trug ihn mit sich fort, sie
genartig: In solch einem Frachtschi
bekam man die Sterne
seltener zu sehen als auf der Erde. Pirx war nicht neugierig
darauf, nicht einmal auf die kupferrote Scheibe des Mars.
Die Kursdiagramme gengten ihm.
Er dri
lnder fest und glitt die Treppe hinunter, ohne die Stufen
zu berhren. Die sthlernen Pranken des Roboters klirr-
ten nicht allzu laut, wenn sie gegen die Wand prallten die
Schlge wurden durch die frische Betonschicht gedmp
.
H--r-e-n-i-c-h-t-s E-m-p-f-a-n-g
Das Klopfen wurde immer leiser und langsamer. Wor-
an liegt das? fragte sich Pirx. Zufall ? Er schwebte nun
dicht neben Terminus. Jedesmal, wenn sich der Roboter
bckte, gri
en die Gliedsegmente des Bauches bereinan-
der, sie erinnerten an eine gekerbte Insektenhlle. In den
groen glsernen Augen 
ackerten die Miniaturspiegel-
bilder der Lampen. Pirx starrte sie an und begri
, da er
allein war in dieser Kammer mit ihren nackten Wnden
allein, ganz allein. Terminus wute nicht, was er tat, er
war eine Maschine, die festgehaltene Lautfolgen bermit-
telte, weiter nichts. Die Klop
ne wurden noch schw-
cher.
S-i-m-o-n-a-n-t-w-o-r-t-e , glaubte Pirx zu hren.
Die einzelnen Zeichen lieen sich kaum noch entschls-
seln. Etwa einen halben Meter ber dem Kopf des Auto-
maten fhrte ein Rohr entlang. Pirx streckte die Hand aus,
um es zu berhren, aber als er zugreifen wollte, schlugen
seine Fingerknchel gegen das Metall. Terminus erstarr-
te, die Lautfolge brach ab. Statt seiner begann nun Pirx zu
morsen, er folgte einer pltzlichen Regung, es reizte ihn,
sich in ein Gesprch einzumischen, das Jahre zuvor statt-
gefunden hatte.
W-a-r-u-m-a-n-t-w-o-r-t-e-t-m-o-m-s-s-e-n-n-i-c-h-t
Kaum hatte er die ersten Zeichen geklop
, als auch Ter-
minus wieder zu hmmern begann. Beide Lautfolgen ver-
mengten sich, aber der Automat schien Pirx Frage verstan-
den zu haben, denn seine schaufelartige Hand hielt mitten
in der Bewegung inne. Sekundenlang verharrte sie regungs-
los, dann fuhr sie fort, den Zement gegen die Wand zu klat-
schen.
W-e-i-1-s-e-i-n-e-r-e-c-h
Pause Terminus bckte sich, schp
e frischen Ze-
mentbrei Pirx hielt den Atem an. Wird er den Satz fort-
setzen? fragte er sich. Der Automat richtete sich auf,
schleuderte den Zement an die Wand und trommelte so
ungestm, da es nur so drhnte.
S-i-m-o-n-b-i-s-t-d-u-e-s W-e-r-s-p-r-i-c-h-t-w-e-r-
s-p-r-i-c-h-t
Er duckte sich, zog den Kopf ein, es hagelte Schlge.
W-e-r-s-p-r-a-c-h-a-n-t-w-o-r-t-e-w-e-r-s-p-r-a-c-h-w-
e-r-s-p-r-a-c-h-w-e-r-s-p-r-a-c-h-h-i-e-r-s-i-m-o-n-hi-e-r-
w-a-y-n-e-a-n-t-w-o-r-t-e
Hr auf, Terminus! schrie Pirx. Hr auf, hr auf!
Der Lrm verstummte. Terminus richtete sich auf. Alles
an ihm zuckte die Schultern, die Arme, die Hnde, der
Rumpf. Ein teu
ischer Schluckauf erschtterte den Robo-
ter, ein Krampf, den Pirx entschlsselte: W-e-r-s-p-r-i-c-
Hr auf! rief Pirx ein zweites Mal. Terminus hatte ihm
die Seite zugewandt, sein schwerer Leib bebte noch immer
im Rhythmus der Morsezeichen. Pirx las es an den Licht-
re
exen ab, die auf dem Metall tanzten.
W-e-r
men, deren Klopfzeichen er hrte man konnte mit ihnen
sprechen. Nur Mut brauchte man, nur Mut
Er stie sich von der Decke ab und schwamm zur ge-
genberliegenden Wand. Verdammte Schwerelosigkeit! Er
fhlte in sich den Drang, mit kr
igen Schritten auf und ab
zu gehen, sein eigenes Gewicht zu spren, die Faust auf den
Tisch zu schlagen! Dieser scheinbar so bequeme Zustand,
in dem sich der Krper in einen immateriellen Schatten
verwandelte, wirkte auf die Dauer wie ein Alpdruck. Al-
les, was man berhrte, schwamm weg, zgernd, ohne jeden
Halt alles war wesenlos, war bloer Schein, Traum
Traum?
Moment mal Wenn ich von jemandem trume und
ihm Fragen stelle, dann kenne ich die Antwort nicht, so-
lange er sie nicht ausspricht. Dennoch existiert dieser ge-
trumte Mensch nicht auerhalb meines Gehirns, er ist nur
Zurckkehren und fragen?
Es mu eine physikalische Erscheinung sein, komplizier-
ter als eine gewhnliche Registrierung Ein Roboter ist
schlielich keine Einrichtung zum Fixieren von Lauten
In Terminus mu eine Aufnahme entstanden sein, verbun-
den mit einer anatomischen Vernderung Ein Automat,
den man es mag ein wenig verrckt klingen , den man
nur zu fragen braucht, um alles von ihm zu erfahren: Si-
mons, Nolans und Potters Schicksal und auch den Grund
fr dieses unbegrei
Schrecken an das ungestme Klopfen, das seine Frage aus-
gelst hatte, an die Verbl
ung, an die Schreie voller Ho
nung, an das endlose, hastige Flehen: Antworte! Wer
spricht? Antworte
Die Verzwei
ung, die Hysterie dieser Klopfzeichen tn-
ten ihm noch immer in den Ohren.
Sie lebten nicht mehr ? Wer hatte ihn dann gerufen,
wer hatte um Hilfe ge
eht? Fachleute wrden fr alles
eine Erklrung parat haben, sie wrden von Entladungen
sprechen, von der Resonanz der zitternden Bleche. Pirx
FOLGERUNGEN:
Zu verschrotten
Unten auf das Blatt schrieb er mit unbewegtem Gesicht:
Pirx, Erster Navigator
D W   
A E    I T
Kurz nachdem ich von der el
en Sternreise zurckgekehrt
war, entbrannte zwischen zwei groen Produzenten von
Waschmaschinen, Nuddlegg und Snodgrass, ein Konkur-
Snodgrass ignorierte diesen Appell an die niederen In-
stinkte der 
entlichkeit und berraschte die Fachwelt im
darau
olgenden Quartal mit einer Neuentwicklung, die
waschen, wringen, brsten, splen, bgeln, stopfen, strik-
ken und sprechen konnte, nebenbei die Schularbeiten der
Kinder erledigte, dem Familienoberhaupt konomische
Horoskope erteilte und selbstttig die Freudsche Traum-
analyse anstellte, indem sie im Handumdrehen Komplexe
durch Gerontophagie einschlielich des Patrizids liquidier-
te. Nun konnte sich Nuddlegg nicht lnger zurckhalten.
Er warf einen Superbarden auf den Markt eine Waschma-
schine, die reimte, rezitierte, mit herrlicher Altstimme Wie-
genlieder sang, Suglinge abhielt, Hhneraugen besprach
und den Damen ausgesuchte Komplimente machte. Die-
sen Schachzug beantwortete Snodgrass mit einer dozieren-
den Waschmaschine unter der Losung:
Deine Waschma-
schine macht aus dir einen Einstein!
Wider Erwarten ging
das Modell sehr schwach: Bis Ende des Quartals 
el der
Umsatz um fnfunddreiig Prozent. Snodgrass entschlo
sich deshalb alarmiert durch die Meldung seiner Infor-
mationsabteilung, da Nuddlegg eine tanzende Wasch-
maschine vorbereite zu einem wahrha
revolutionren
Schritt. Er erwarb fr die Summe von 350 000 Dollar die
entsprechenden Rechte und konstruierte eine Waschma-
schine fr Junggesellen, einen Roboter mit den Formen der
bekannten Sexbombe Mayne Jans
eld in Platinfarbe, da-
nach eine zweite, schwarze, nach dem Ebenbild von Phir-
ley Mac Phaine. Sogleich erhhten sich die Umstze um
siebenundachtzig Prozent. Sein Widersacher richtete un-
verzglich Appelle an den Kongre, an die 
entliche Mei-
nung, an die Liga der Tchter der Revolution und an den
Bund der Jungfrauen und der Matronen. Als er jedoch hr-
te, da Snodgrass unterdessen ungerhrt den Markt mit
Waschmaschinen beiderlei Geschlechts berschwemmte
eine immer attraktiver und a
nziehender als die andere ,
schickte er sich drein und konterte, indem er das individu-
elle Bestellsystem einfhrte. Er verlieh seinen Wasch-Ro-
botern die Gesichtszge, den Leibesumfang und die Sta-
tur, die der Kunde wnschte man brauchte lediglich ein
Foto einzusenden.
Whrend sich die beiden Potentaten der Waschma-
schinenindustrie bekmp
en wobei ihnen jedes Mittel
da der brige Raum von einer Maschinerie ausgefllt sei,
die mit dem Waschen nichts, aber auch gar nichts gemein
habe.
Appelle dieser Art fanden nicht den geringsten Wider-
hall. Der Kult der schnen Waschmaschinen wurde zur La-
wine und verdrngte sogar einen betrchtlichen Teil der
Zuschauer von den Fernsehgerten. Aber das war erst der
Anfang. Die Waschmaschinen, die mit vlliger Spontanei-
bekannt wurde. Sie erklrte die geringste technische Ver-
nderung an einem Elektronenhirn, gegen das ein Verfah-
ren lief, als stra
are Handlung.
Damals kam es zu der Strafsache Hindendrupel. Ein Ge-
schirrspler hatte des 
eren Kleidungsstcke seines Herrn
angezogen, den verschiedensten Frauen die Ehe verspro-
chen und vielen von ihnen Geld entlockt. Von der Polizei
agranti ertappt, zog er sich vor den Augen der staunen-
den Detektive aus, verlor dadurch das Erinnerungsverm-
gen und konnte nicht bestra
werden. Das bewog den
Kongre zur Verabschiedung des Mac-Flacon-Glumbkin-
Ramphorney-Hmurling-Pia
In jenen Tagen kam es zum Fall Murderson. Verhan-
delt wurde gegen eine Waschmaschine, die ihrem Herrn
bswillig die Hemden zerri, die durch Pfeiftne in der
gesamten Umgebung den Radioempfang strte, die Grei-
sen und Minderjhrigen anstige Angebote machte
und mehreren Personen Geld entlockte, indem sie sich
am Telefon als Stromlieferant ausgab. Unter dem Vor-
wand, sich gemeinsam Briefmarken anzusehen, lud sie
die Wring- und die Waschmaschinen aus der Nachbar-
schaft ein und beging an ihnen perverse Handlungen.
nerlei Bestimmungen fr die Behandlung geisteskranker
Waschautomaten gab.
Eine juristische Lsung dieser akuten Frage gestattete
erst das Mac-Flacon-Glumbkin-Ramphorney-Hmurling-
Pia
a-Snowman-Fitolis-Birmingdraque-Phootley-Carop-
ka-Phalseley-Groggerner-Maydansky-Gesetz, und zwar zur
rechten Zeit, denn die A
re Murderson weckte in der f-
fentlichkeit einen gewaltigen Bedarf an unzurechnungsf-
higen Elektronengehirnen. Mehrere Firmen begannen so-
gar, absichtlich defekte Apparate zu produzieren, zunchst
in den Varianten Sadomat fr Sadisten und Masomat
fr Masochisten. Nuddlegg, der phnomenale Gewin-
ne verbuchte, seit er als erster fortschrittlicher Fabrikant
dreiig Prozent Waschmaschinen mit beratender Stimme
in die Generalversammlung der Aktionre aufgenommen
hatte, brachte das Universalgert Sadomatic heraus, das
sich ebensogut zum Schlagen wie zum Geschlagenwerden
Snodgrasschen Produkte, in breitem Umfang von ihren
konstitutionellen Rechten Gebrauch zu machen. Ihre Zu-
sammenschlsse vollzogen sich immer spontaner. Wie Pil-
ze schossen Organisationen aus dem Boden die Gesell-
scha
der Menschenfreien Anbetung zum Beispiel oder
die Liga fr Elektronische Gleichberechtigung , ja es
kam sogar zur Wahl einer Mi Waschmaschine und hn-
lichen Veranstaltungen.
Der Kongre tat alles, dieser strmischen Entwicklung
entgegenzuwirken. Senator Groggerner nahm den ver-
nun
begabten Maschinen das Recht, Immobilien zu erwer-
ben, sein Kollege Caropka entzog ihnen die Autorenrechte
entscheiden lieen. Dennoch war es ein Hintertreppenge-
heimnis, da Elektronengehirne, die mit Brsenspekula-
tionen oder mit dunklen Gesch
en zu Geld gekommen
waren, weiterhin gut lebten, weil sie ihre Machenscha
en
mit dem Firmenschild 
ktiver, angeblich aus Menschen zu-
Die Folgen lieen nicht auf sich warten. Jedesmal, wenn
in Kau
usern und Gesch
en neue Warenlieferungen
Rebellion der Bordrechenmaschine auf dem Raumschi
Gottesgabe akut wurde. Besagter Kalkulator erhob sich
bekanntlich gegen Besatzung und Passagiere, entledig-
Whrend der Weltraum vom Schlachtenlrm und von
verzweifelten SOS-Rufen berfallener Raumschi
e wider-
hallte, machten die Meister des Elektro-Jitsu, des Judo-
matic und anderer Arten der Selbstverteidigung glnzen-
de Gesch
e. Sie zeigten, wie man mit einem gewhnlichen
Bchsen
ner oder mit einer Kneifzange auch die gefhr-
lichste Waschmaschine zur Strecke bringen kann.
Sonderlinge und Originale braucht man bekanntlich
nicht zu sen sie keimen von jeher von selbst. Auch in je-
og zu dem verhltnismig nahe gelegenen Nebel
eck des
Krab. In dessen leeren Ge
lden, die nur von kosmischem
Staub erfllt waren, vollfhrte er schwer zu beschreibende
Handlungen, die einen unvorstellbaren Skandal auslsten.
Am Morgen des 29. August brachten alle Zeitungen die
geheimnisvolle Kunde:
PASTA POLKOS VI/221 berichtet:
Im Nebel
eck des Krab wurde ein Objekt von der Gre 520
mal 80 mal
Meilen entdeckt. Das Objekt macht schwim-
mhnliche Bewegungen. Die Beobachtungen werden fortge-
setzt.
Die Nachmittagsausgaben brachten nhere Erklrungen:
Das Patrouillenschi
VI/221 der kosmischen Polizei habe
in einer Entfernung von sechs Lichtjahren einen Men-
der gigantische Pseudomensch allmhlich in kleine Stk-
ke teilte jedes so gro wie ein gewhnlicher Mensch. Die
einzelnen Individuen verbanden sich miteinander, verei-
nigten sich zu einem kugelfrmigen Gebilde, das aussah
digsten Selbstgesprche fhre und auf Fragen nach seiner
Staatlichkeit ausweichende Antworten erteile.
Die Behrden beschlossen, den Machenscha
en des
Kathodius Mattrass und Melanie Fortinbrass keiner physi-
schen Vereinigung gleichzusetzen sei.
der neunundachtzigjhrige Professor Truppledrack, Seni-
or der amerikanischen Geburtshilfekunde. Mattrass An-
walt gri
sogleich ein, indem er auf das weit vorgerckte
ritus, und berief sich auf die Heilige Schri
. Das war u-
erst unberlegt, denn Mattrass Anwalt parierte diesen
Hieb mit einem weitschwei
gen Elaborat, in dem er an-
hand von Bibelzitaten nachwies, da Gott die Eva program-
mierte, indem er nur von einem Teil ausging und dabei
sogar ausgesprochen extravagant verfuhr, verglichen mit
den Methoden der Menschen. Dennoch sei nicht zu be-
streiten, da er Menschen gescha
en habe, denn niemand,
der ber einen klaren Kopf verfge, knne Eva als Robo-
ter bezeichnen. Das Departement bezichtigte Mattrass und
seine Nachfolger nun der widerrechtlichen Aneignung ei-
nes Himmelskrpers. Damit, so hie es, habe er gegen das
mdlichen Anwalt des Kathodius Mattrass samt und son-
ders im Keime erstickt.
Das State Departement wute genau, da sein durchtrie-
bener Gegenspieler nicht nur zum Scherz im Nebel
eck des
Krab herumschwamm. Mattrass wollte einen Przedenzfall
scha
ten! Ein gewisser Mattrass hat sich mit Hilfe einer gewissen
Fortinbrass in Roboter verwandelt und sich im Mastab
eins zu einer Million vergrert. So sieht die Angelegenheit
Entschuldigen Sie, ehrenwerter Opponent, warf Pro-
fessor Pingerling ein, Mattrass war immerhin unser Br-
ger, also
Was tuts? rief der leidenscha
liche Greis. Wir kn-
nen Mattrass Staatsgrndung anerkennen oder nicht! Er-
kennen wir an, da ein souverner Staat entstanden ist,
dann werden unsere Ansprche hinfllig. Erkennen wir das
nicht an, dann mssen wir uns darber einigen, ob wir es
wenigstens mit einer juristischen Person zu tun haben oder
nicht. Wenn nicht, wenn wir keine juristische Person vor
uns haben, dann existiert das ganze Problem nur fr die
weder die Vlkerrechtler noch die Verfasser irgendwelcher
Vorschri
en zur Gewhrleistung der 
entlichen Ord-
nung. Die Ausfhrungen des ehrenwerten Professors Pin-
gerling knnen das Problem nicht lsen, weil es das Pro-
blem gar nicht gibt!
Der Greis nahm Platz. Er hatte das Hohe Haus mit seiner
Schlufolgerung sichtlich schockiert.
Sechs Stunden lang ging es so weiter. Ich hrte mir noch
an die zwanzig Redner an. Sie alle sprachen logisch exakt
und bemhten sich, das eine oder das andere zu bewei-
sen da Mattrass existiere, da er nicht existiere, da er
Das bewog den Richter Wubblehorn zu der Behauptung,
man habe die Problematik von Anfang an falsch gesehen.
Die Tatsache, da Mattrass ein Mensch gewesen sei und
sich in Roboter verwandelt habe, beweise eindeutig, da
diese Roboter nicht mehr als Mattrass anzusehen seien.
Man msse also untersuchen, mit wem oder was man es zu
tun habe. Da sie keine Menschen sind, sind sie niemand.
Es gibt also kein juristisches Problem, aber auch kein physi-
sches, das heit, im Nebel
eck des Krab existiert nichts!
Die Debatte wurde immer leidenscha
licher, es 
el mir
immer schwerer, den Ausfhrungen zu folgen, die Ord-
ner und die Sanitter hatten alle Hnde voll zu tun. Pltz-
lich wurden Rufe laut. Es befnden sich als Juristen verklei-
meine Hose festhalten, denn die erregten Juristen hatte
im Gesprch immer wieder nach meinen Knpfen gegrif-
fen und mir alle abgerissen. Pltzlich entdeckte ich einen
groen Rntgenapparat, er stand neben dem Podium. Es
sprach gerade Rechtsanwalt Plussex und behauptete, Mat-
trass sei ein zuflliges kosmisches Phnomen, da nherte
sich mir mit drohender Miene der Vorsitzende die Kom-
panadel in seiner Hand zitterte bengstigend. Schon hat-
te mich der Saaldiener am Kragen gepackt, als sich die Ma-
I   A   
Krzlich geschah es mir ist, als wre es gestern gewe-
sen. Zwei Bewohner des Aldebaran, von vernun
begabter
Rasse, die im Jahre 2685 entdeckt werden und die Neirarch,
der Linn des 30. Jahrhunderts, als Untertyp der Gruppe
Coelestiaca in der Ordnung Megalopterygia klassi
zieren
wird kurzum, die beiden Vertreter der Gattung Megalo-
pteryx Ambigua Flirx, die durch die Synctialversammlung
des Aldebaran (auch Oberste Ratscha
genannt) zur Unter-
das geladene und somit einsatzfhige Aldolicho sowie den
Der Ort der ersten Erkundung htte nicht besser sein
knnen, es war ein mit dichtem Buschwerk bewachsenes
Gelnde, ber das abendliche Wolken hinwegzogen. Kurz
vor der Landung war es ihnen gelungen, in der Ferne eine
Art Linie auszumachen, die sie fr einen Verkehrstrakt
hielten.
Als sie den unbekannten Globus in groer Hhe um-
kreist hatten, waren ihnen schon andere Zivilisationsspuren
aufgefallen, zum Beispiel ein matt leuchtender Ausschlag
auf der dunklen Halbkugel, wahrscheinlich das nchtli-
che Bild der Stdte. Das nhrte in ihnen die Ho
nung, auf
hochentwickelte Lebewesen zu tre
en, denn solche wollten
sie ja 
nden. In jener Zeit vor dem Untergang des nichts-
wrdigen Syncytium, dessen Aggressivitt sich nicht ein-
men das Ge
echt gar nicht so schnell auseinander halten
konnten. Natrlich hatten sie nicht die Absicht, allein den
sauriers vor sich. Eine Strae sei das auf keinen Fall. Kein
Aldebaraner Radfahrzeug wrde ein solches Gelnde be-
fahren knnen.
An Ort und Stelle analysierten sie Bodenproben, die der
Teremtak entnommen hatte, und lasen von seiner Stirn
das phosphoreszierend leuchtende Resultat ab: Die kleb-
rig-breiige Substanz war ein Gemisch aus Wassersto
oxyd,
Aluminium und Siliziumoxyd
mit erheblichen Beimengun-
gen von Schtz (Schmutz).
Es war also nichts mit dem Gigantosaurier.
Sie wateten weiter und versanken dabei bis zu den ober-
sten Greifarmen. Pltzlich hrten sie hinter sich in der im-
mer schneller einfallenden Dunkelheit seltsame chzende
Laute.
Achtung! zischte NGTRX.
Etwas Sthnendes, Schwankendes jagte von hinten auf
sie zu ein Riesengeschpf mit abge
achter Stirn, buckli-
gem Rumpf und lockerer Haut.
Ist das nicht ein Syncitium? fragte NGTRX erregt. Der
schwarze Kolo kroch an ihnen vorbei die beiden glaub-
ten Rder zu erkennen, die furienha
wie bei einer eigen-
tmlichen Maschine hp
en. Sie wollten eine Ausfallpo-
sition einnehmen, als sich eine wahre Schmutz
ut ber
sie ergo. Halb betubt und von oben bis unten besudelt,
standen sie da. Nachdem sie sich vom grbsten Schmutz
befreit hatten, eilten sie zum Telepathikus, um zu erfah-
ren, ob das Brllen und Knurren, das die Maschine von
Unrhythmische Laute eines primitiven Kohlenwasser-
sto
-Sauersto
-Energoschraubers, der unter Bedingungen
stand folgte. Beiden eilte der Teremtak am Protoriemen
voraus.
Diese Operation war typisch. Die Aldebaraner hatten sol-
deckten sehr bald, da sich der sump
ge Streifen, auf dem
sie sich bewegten, zwischen den schwarzen Struchern ga-
ber unserer Sta
heute frh ein Spu
um sieben Uhr vierz
war darauf zu lesen. Der Telepathikus bersetzte, und sie
sahen sich erstaunt an.
Die Tafel weist in Richtung Himmel, sagte NGTRX.
Hm, das wrde ja stimmen.
Ja. Dieses UNTERSCHMUDORF wird der Name ihres
Dauersputniks sein.
Unsinn. Wie knnen die hier Sputniks haben, wenn sie
Jemand nahte. Zunchst schien es, als sei dieser Je-
mand ein vernun
begabter Zweibeiner, denn er beweg-
te sich aufrecht. Das seltsame zweibeinige Wesen, man
konnte das immer deutlicher erkennen, ging jedoch
nicht in gerader Richtung, sondern beschrieb kompli-
zierte krumme Bahnen von einem Rand des klebrigen
Streifens zum anderen. PWGDRK begann sogleich, die-
se Kurve zu registrieren, doch das erwies sich als uerst
kompliziert. Das Geschpf machte ohne ersichtlichen
Anla einen Taucher. Ein Plumpsen war zu hren, dann
nsteres Knurren. Eine Weile kroch die Gestalt kein
Zweifel, sie kroch! auf allen vieren, aber dann erschien
sie wieder in ihrer vollen Gre. Sie zog lrmend eine si-
nusoidale Bahn auf dem klebrigen Streifen und kam im-
mer nher. Dabei stie sie bal
d heulende, bald sthnen-
de Laute aus.
Seite pltzlich NGTRX auf, ging auf den Telepathikus zu
Wieso nichts? Ich habe doch was gehrt! zischte NG-
TRX, ohne das leiseste Gerusch von sich zu geben. Im
ten nur brummend in der Ladeblase umher, keiner wagte
auch nur, seinen mrderischen Stachel herauszustecken. Er
fhlte, er hrte, da das Wesen auf ihn losstakte erneut
zerschnitt schrilles Pfeifen die Lu
, erschtterte den Bo-
den und zermalmte den Teremtak im Schlamm. PWGDRK
packte den Telepathikus mit seinen Fhlern und sprang ins
Dickicht.
Tle dammichte, mit der Deichsel getau
e! drhnte es
hinter ihm her. Die Lu
, die mit dem tzenden Gestank des
Gi
s erfllt war, das das Wesen unau
rlich aus seinen
kommunikativen 
nungen ausstie, verschlug PWGDRK
den Atem.
Zeit fast eilte Jzek Gukowiak aus dem Wald herbei und
schrie, an der Weggabelung lgen verprgelte und verstm-
melte Gestalten.
Nun zog das ganze Dorf dorthin.
Und in der Tat, an der Wegkreuzung fanden sie zwei Un-
geheuer das eine hinter dem Graben, das andere vor dem
Loch, in dem der Pfahl gesteckt hatte, und daneben eine
brachte die Figur ins Kommissionsgesch
der Kleinstadt.
Sie verlangte dafr dreitausend Zoty, aber dem Gesch
s-
fhrer war diese Summe zu hoch, zumal sich der Sprung
im Kopf nicht verbergen lie.
So war das einzige, was das wachsame Auge des Repor-
ters vom Echo entdecken konnte, als er am selben Tage
nachmittags mit dem Wagen der Redaktion zur Reportage
erschien, der neue, recht solide Anzug des Joas, den man
dem knstlichen Zweibeiner ausgezogen hatte. Der Jour-
nalist befhlte sogar eine Falte des Sto
s und staunte ber
dessen hervorragende Qualitt.
Den habe ich von meinem Bruder in Amerika, erwi-
derte Joas seelenruhig, nach der Herkun
des Gewebes be-
fragt. So berichtete der Reporter in dem Artikel, der abends
seiner Feder entsprang, nur von dem erfolgreichen Verlauf
der Au
aufaktion erwhnte aber mit keinem Wort den
Fehlschlag der Invasion der Aldebaraner auf die Erde.
V  R ,  
 D   
Knig Poleander Partobon, Herrscher ber Kybera, war ein
groer Krieger, und da er den Methoden der neuzeitlichen
war ein beraus streitbarer Feldherr. Er besa in den un-
terirdischen Gewlben des Schlosses eine strategische Re-
chenmaschine von geradezu auergewhnlicher Tapferkeit;
er verfgte auerdem ber kleinere Einheiten von Kyber-
maschinengewehren, ber gewaltige Kybernonen und son-
stige Wa
en aller Art und hatte Kasematten voller Pulver.
nen zu greifen. Er trumte bereits von kosmischen Kriegen
aber er wute sich keinen Rat mehr. Was sollte er noch tun?
Maschinen auszuschicken war nicht gut, selbst zum Mond
aufzubrechen auch nicht, denn er hatte Angst. In einer sehr
stillen Nacht hrte der Knig auf einmal den Fernschreiber
im kniglichen Schlafgemach klappern. Es war der Apparat
des Knigs, ganz aus Gold, mit einer Brillanttastatur, der
die Verbindung mit dem Mond aufrechterhielt. Der Knig
sprang auf und lief an den Apparat, der ein um das andere
Mal klop
e und schlielich ein Telegramm hingeklappert
hatte: Der Elektrodrache telegra
erte, Poleander Partobon
solle sich aus dem Staube machen, denn er, der Drache, be-
absichtige, seinen
ron zu besteigen!
Der Knig erschrak, zitterte am ganzen Leibe und lief so
wie er war im Hermelinnachtgewand und in Panto
eln
, in die Kasematten des Schlosses, wo eine strategische Ma-
schine war, ein alter, sehr kluger Automat. Er hatte sie bis-
her nicht um ihren Rat gefragt, denn er hatte sich mit ihr
bereits vor dem Entstehen des Elektrodrachens wegen ei-
sche ich mir, da du mich nicht anders nennst als Rechen-
Feldmarschall, wobei du mich auch mit Euer Ferromagne-
tizitt anreden kannst.
Schon gut, ich ernenne dich zum Feldmarschall und ge-
whre dir alles, was du willst. Aber hilf mir!
Die Maschine begann zu summen, zu rauschen, sie rus-
perte sich und sagte: Die Sache ist einfach. Man mu ei-
nen Elektrodrachen bauen, der mchtiger ist als jener, der
auf dem Mond sitzt. Er wird den Monddrachen berwin-
den, ihm das elektrische Gerippe brechen und auf diese
Weise zum Ziel gelangen.
Vorzglich! rief der Knig aus. Kannst du mir aber
die Plne fr diesen Drachen entwerfen?
Es wird ein Superdrache sein, antwortete die Maschine.
Ich kann nicht nur die Plne fr ihn entwerfen, ich kann
ihn sogar bauen. Das werde ich gleich tun, wenn du dich
ein Weilchen geduldest, mein Knig. Und tatschlich be-
O nein! Dann tu lieber gar nichts, ich bitte dich darum.
Was habe ich davon, da auf dem Mond immer schreckli-
chere Drachen sein werden? Ich will dort ja gar keinen ha-
ben!
Ja, dann sieht die Sache anders aus, erwiderte die Ma-
Sie rauschte, summte und fuhr fort: Man mu eine all-
gemeine
eorie der Bekmpfung von Elektrodrachen
scha
en, fr die der Monddrache ein Einzelfall sein wird,
der kinderleicht zu lsen ist.
Dann stelle bitte eine solche
eorie auf! sagte der K-
Zu diesem Zweck mu ich zunchst verschiedene expe-
rimentelle Elektrodrachen bauen.
O nein! Vielen Dank! rief der Knig aus. Der Dra-
che will mich meines
rones berauben, und was soll erst
werden, wenn du eine Unmenge von diesem Gezcht her-
gestellt hast!
So? Na, dann mssen wir eben zu einer anderen Me-
thode Zu
ucht nehmen. La uns die strategische Varian-
te der fortlaufenden Annherung anwenden. Geh und te-
legra
ere dem Drachen, da du ihm den
die Panto
eln von den Fen 
ogen. Der Drache hat sich
durch sich selbst geteilt, und da einer in einem nur einmal
steckt, ist er nach wie vor auf dem Mond, und gar nichts
hat sich gendert.
Macht nichts, ich habe es absichtlich getan, das war ein
N 
Stanisaw Lem, Romancier, Erz
hler und Essayist, ist heute
einer der prominentesten Vertreter des utopischen Gen-
res in den sozialistischen Ln
dern. Seine Romane und Er-
zhlungen erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit, viele sind
zu Bestsellern geworden. Das ist wohl nicht allein auf das
Interesse fr die Weltraumfahrt zurckzufhren, das seit
dem Start des ersten Sputniks auch fr die Science-
ction
nen makabren Bild vom zukn
igen Menschen, der zum
bloen Anhngsel einer bertechnisierten Welt degradiert
ist, stellt Lem in seinen Romanen und Erzhlungen sei-
ne humanistische Au
assung entgegen. Lem ist der festen
berzeugung, da die Menschen selbst ihre Geschicke in
der Hand haben, da sie ber ihre und ihrer Nachkom-
men Zukun
entscheiden, da die schpferische Kra
des
Menschen die Technik nicht nur scha
, sondern sie zum
Nutzen der Allgemeinheit beherrscht. Pirx, Held von vier
Geschichten dieses Bandes, ist kein Superman, sondern ein
normaler Mensch unserer Tage. Wenn er aus gefhrlichen
Situationen, die eine persnliche Entscheidung abverlan-
gen, als Sieger hervorgeht, dann deshalb, weil er es nicht
verlernt hat, seinen gesunden Menschenverstand zu ge-
brauchen. Lems Weltraumhelden sind unheroisch, und es
fenbart sich der Autor als ein Meister seines Faches. Seine
utopischen Erzhlungen zeigen ihn in seiner ganzen Viel-
seitigkeit: Lem beherrscht die spannende Detektivgeschich-
te, er bedient sich aber mit gleicher Brillanz der geistrei-
chen Groteske und eines ironisch gefrbten Mrchenstils.
Zu diesen Mitteln grei
der Autor in der Regel, wenn er ne-
gative Erscheinungen der Wirklichkeit angreifen will; dann
stellt er seine Science-
ction in den Dienst der Satire, dann
ist das utopische Genre seinen kritischen Intentionen un-
ren spannender utopischer Handlungen, schreibt er doch
aus unserer Zeit, fr uns Zeitgenossen. Ohne die Gefah-
ren, die der Erforschung des Raums innewohnen, zu baga-
tellisieren, zeigt Lem immer wieder bald ernst, bald kri-
tisch, bald komisch, ironisch, satirisch , da der Mensch
das Ma aller Dinge ist, da er selbst sein Schicksal in der
Hand hat. Damit erfllt Lem eine echte literarische Funk-
tion: er unterhlt, bringt zum Lachen und regt gleichzeitig
zum Nachdenken an.
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